Natürlich zielen die neuen Features des K6 in erster Linie auf den Heimanwender. Trotzdem ist und bleibt der Prozessor eine interessante Alternative für den professionellen Anwender. Die Performance bei Büroanwendungen spielt demnach eine entsprechende Rolle. Im Vorspann hatten wir die Problematik mit dem Winstone Test bereits angesprochen. Eine Überprüfung er Leistungen ist aber auch bei diesem Prozessor notwendig, auch wenn das Ergebnis nicht das einzige Kriterium für die Klassifizierung des Prozessors sein darf.
Der K6-2 hat ein verbessertes Design im Vergleich zu seinem Vorgänger. Bei den Verbesserungen wurde besonderen Wert auf das Timing der einzelnen Komponenten gelegt. Schließlich will man die Ankündigung, 100 MHz auf dem Bus auch bei den Sockel 7 Systemen verwirklichen. Die alten K6 Versionen haben diesen Takt zwar schon früher akzeptiert, allerdings war der Betrieb unter diesen Bedingungen außerhalb der Spezifikation und wurde offiziell nicht empfohlen. Die schon öfter angesprochenen Instabilitäten bei einem Prozessor, der außerhalb seiner Spezifikation betrieben wird war der Grund hierfür. Mit der Version -2 wird diese Geschwindigkeit aber offiziell unterstützt. Der Unterschied zwischen dem K6 300/100 und dem neuen K6-2 liegt mit etwa 1% in einem Bereich, den man eigentlich vernachlässigen kann.
Im direkten Vergleich mit dem Intel Prozessor liefen die K6 CPUs unter Windows 95 schon immer besser als unter NT. Das hat sich auch mit der neuen Version nicht geändert. K6-2 ist die schnellste CPU auf dem Sockel 7 und liegt weit vor Pentium MMX, IBM6x86MX und sogar dem neuen Cyrix M2 Prozessor. Der Leistungsvorsprung kommt zu Teilen aus der Möglichkeit den Bus, und damit den L2 Cache mit 100 MHz zu betreiben.
Die PII Prozessoren und hier besonders die neuen Versionen, die den 100 MHz FSB unterstützen sind nach wie vor die schnellsten CPUs bei allen Büroanwendungen. Der Titel wird im Juli diesen Jahres mit Sicherheit an die neuen XEON Prozessoren übergehen, die den L2 Cache dann mit dem vollen Prozessortakt betreiben und allein schon deshalb einen deutlichen Leistungsvorsprung haben. Wie auch immer, der K6-2 schlägt sich sehr wacker im direkten Vergleich mit PII Prozessoren, die den selben Prozessortakt verwenden. Sobald AMD die 350 und 400 MHz Versionen anbieten kann, haben die Deschute Typen von Intel einen direkt vergleichbaren Gegner erhalten. Die Leistungen dieser Versionen werden dann etwa im Bereich der 333 bzw. 350 MHz Varianten der Intel Produkte liegen. Genau betrachtet eine ordentliche Leistung, wenn man bedenkt, daß der L2 Cache des K6 immer nur mit der Busgeschwindigkeit, der von Intel aber mit der halben Prozessorgeschwindigkeit arbeitet.
Wie bereits angesprochen sind die Abstände zwischen den AMD und Intel Typen auch abhängig vom Betriebssystem. Unter Windows 95 ist der K6/100 nur wenig langsamer als der PII 300 und der K6-2 333/95 nur wenig langsamer als der PII 333. Allerdings hat der K6 den Vorteil, daß er mit einem schnelleren Motherboard auch deutlich bessere Ergebnisse liefert. Außerdem nutzt AMD den Sockel 7 und die eigene Vorherrschaft in diesem Bereich auch, um einen größeren L2 Cache anzusteuern. Bei dem Board, das wir für die Tests verwendet haben war dieser Zwischenspeicher nur 512 kB groß. In Zukunft werden wir aber Systeme sehen, die ein oder gar 2 MB Cache nutzen. Auch bei den verschiedenen Herstellern der Chipsets ist die Leistungsgrenze noch nicht erreicht. Zum jetzigen Zeitpunkt sieht es so aus, als ob VIA mit seinem mVP3 Chip Satz sogar noch etwas bessere Leistungen aus dem System zaubert, als der Aladin V von ALI.
Windows NT ist allerdings die Domäne der Intel Prozessoren. Sind die Unterschiede zwischen AMD und Intel bei Wien 95 noch recht klein, so klafft die Schere unter NT doch deutlich weiter auseinander. Die Ergebnisse des K6-2 300/100 und 333/95 liegen im Bereich zwischen den 266 und 300 MHz Varianten von Intels Pentium II. Auch ein übertakteter Celeron, mit 400/100, der unter 95 noch knapp langsamer als die K6 Typen war, liegt unter NT ganz knapp besser im Rennen als die Neuen von AMD. Gerade bei einem klassischen Server Betriebssystem darf auch nicht vergessen werden, daß die Pentiums den Multiprozessorbetrieb zulassen. Bei AMD ist diese Leistung nicht vorgesehen. Um diese Leistung zu erreichen, muß man eine Konfiguration wählen, wie "Katja" sie umgesetzt hat. (Katja ist ein Cluster aus 16 Standard PCs, der unter LINUX verwaltet wird und in verschiedenen Benchmarks CRAY Rechner geschlagen hat. Entwickelt wurde Katja von Mitarbeitern der Humboldt Universität in Berlin)
Bei Tests mit dem Winstone 98 zeigt sich die Vorherrschaft der Intel Produkte sogar noch deutlicher. Die beiden K6 Typen erreichen nur noch Leistungen im Bereich zwischen einem PII 233 und 266. Ein Celeron, der mit 300/100 MHz übertaktet wurde liegt etwa gleichauf.
Insgesamt kann man sagen, daß die neuen Prozessoren von AMD auch bei den normalen Geschäftsanwendungen den teuren PII Modellen sehr gut Paroli bieten können. Aus der Sicht der Leistung pro D-Mark ist ein K6 Modell als Frontend im Netzwerk und als Einzelplatz im SOHO (Small Office Home Office) Bereich oder für den privaten Anwender die bessere Alternative.
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