Neues für den Sockel 7: Der K6-2 von AMD

19:00 - 28/05/1998 von Thomas Pabst

In der Computerei sind 6 Monate schon eine halbe Ewigkeit. Wenn man dann aufgefordert wird, sich ein ganzes Jahr zurück zu erinnern, dann wird es sogar richtig schwierig. Der Chefetage von Intel fällt es aber nicht so sehr schwer sich an den April letzten Jahres zu erinnern. Für einige Wochen war man nämlich den Titel als Lieferant der schnellsten CPU für PCs los. In dieser Zeit hatte AMD mit dem K6 die Nase vorn und konnte diesen Titel für sich beanspruchen. Erst mit dem Erscheinen des PII hat sich Intel wieder an die Leistungsspitze bei den PC-Prozessoren gesetzt.

Wie schnell die Zeit vergeht sieht man aber nicht nur daran, wie schnell man etwas als überholt anfängt zu vergessen. In der Zwischenzeit hat Intel nicht nur seinen Vorsprung in der oberen Klasse ausgebaut, sondern mischt mit den unterschiedlichsten Typen in allen Marktsegmenten kräftig mit. Celeron bei den Einsteigern, PII mit 66 MHz FSB im Mittelfeld und den neuen 100 MHz FSB Systemen in der Oberklasse. Mit dem Erscheinen der Xeon Prozessoren baut man die Stellung im oberen Segment weiter aus und beginnt sogar die bislang unbedrängten Workstations Märkte streitig zu machen. Alternative Prozessoren im PC Markt werden immer weiter zurückgedrängt.

Die Zeiten ändern sich und das Spektrum der Anforderungen weitetet sich aus und verändert zudem noch seinen Schwerpunkt. Aber auch die verschiedenen Applikationen fordern von einem PC immer wieder unterschiedliche Leistungen. Büroanwendungen waren mit ihren komplexen Anforderungen oftmals schon der erste Stolperstein für die PCs der Vergangenheit. Winword, Excel, Powerpoint und diverse Bestandteile des Betriebsystems haben dem Anwender sehr schnell die Grenzen seines Rechners aufgezeigt. Mit der Entwicklung bei Prozessoren, Massenspeichern und der Peripherie hat sich die Sache allerdings geändert. Hat früher der Anwender auf die Reaktionen der Applikation gewartet so wartet heute in aller Regel die Applikation auf den Anwender. Mithin ist ein Benchmark, der die Performance bei Business Applikationen mißt nur noch bedingt aussagefähig. Der Bereich, in dem der Anwender den Takt vorgibt und über seine Anforderungen den Rechner ins Schwitzen bringt, liegt viel eher im Bereich der 3D Anwendungen. Nicht daß jeder Sachbearbeiter in einem großen Unternehmen ständig damit beschäftigt ist neue Rekorde bei Quake II zu erreichen, aber in den Bereichen, in denen diese Spiele arbeiten zeigt sich was ein Anwender von der Leistungsfähigkeit seines Rechners und besonders von der Zuverlässigkeit auch unter härteren Bedingungen, zu halten hat.

Es gibt in der Branche deshalb auch den etwas seltsam anmutenden Spruch: Winstone mißt bei den modernen Systemen wie schnell die Rechner auf die Eingaben des Anwenders wartet. Um Mißverständnissen vorzubeugen: Natürlich ist und bleibt die >Performance bei Office Applikationen meßbar. Die Frage ist nur ob dieser, in der Zwischenzeit schon fast theoretisch gewordene Wert eine brauchbare Aussagekraft hat. Besonders für Anwender, die eher der Gruppe der SOHO Anwender zuzurechnen sind haben nichts vom Leistungsnachweis der einzig unter Winstone Bedingungen erbracht worden ist. Andere Dinge werden immer bedeutender.

Zuverlässigkeit kann in einer Testumgebung nur überprüft werden, wenn ein Rechner unter extremen Bedingungen getestet wird. Einige Stunden Vollast Betrieb unter verschärften Temperaturbedingungen simulieren hinreichend genau mehrere Wochen Dauerbetrieb. Auch das Übertakten eines Systems zeigt sehr schnell Schwachstellen in einem System auf.

3D Spiele lasten die graphischen Darstellungsfähigkeiten eines Rechnersystems in einem Maße aus, wie dies keine andere Applikation tut.

Was passiert, wenn man sich auf den beliebten und selbständig ablaufenden Winstone beschränkt, sieht man an den Einschätzungen verschiedener Testredakteure. Wer auf die relativ schwachen Leistungen des Celeron beim Winstone schimpft, hat in aller Regel vergessen, daß es eigentlich ziemlich egal ist wie schnell ein Prozessor unter Winword arbeitet, solange er etwa im Bereich eines Pentium MMX mit 233 MHz liegt, und das tut der Celeron allemal. Mehr Leistung bringt einem Anwender, der mit diesen Programmen arbeitet letztlich nichts. Was den privaten Anwender, der diesen Prozessor ja kaufen soll, viel mehr interessiert, ist wie sich ein System mit diesem Prozessor beim Einsatz mit Anwendungen verhält, bei denen der Anwender mit geringem Aufwand hohe Leistungen fordert. In diese Kategorie fallen nun einmal Spiele, die ganz nebenbei im privaten Bereich zu den beliebtesten Anwendungen gehören. Doch genau in diesem Bereich, Wunder über Wunder, schlägt sich der Celeron überraschend gut. Auch wenn es Manager bei Intel mit Blick auf den Umsatz beim PII und einige Kollegen verschiedener Print-Medien, nicht gerne hören, der Celeron ist besser als seine Positionierung es vermuten läßt.

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