Der Camino, der unter dem Namen 820 in den Handel kommen soll hat das was der 810 / Whitney gerne hätte: Mehr Zeit als ursprünglich geplant. Der Launch dieses Chipsets ist weiter in Richtung auf das vierte Quartal verschoben. Als Datum wird Ende September genannt. Diese Zeit wird er aber auch brauchen. Die Spezifikationen für RAMBUS wurden, zumindest für die Zeit der Entwicklung nach unten korrigiert. Aus den maximal 32 Bausteinen, die unter RAMBUS pro Kanal maximal benutzt werden können, sind auf den Motherboards 3 RIMM Sockel geworden. Damit ist der Speicherausbau auf 24 Bausteine reduziert, was dem Anwender heute maximal 384 MB RAM anbieten kann. Dieser Speicher Ausbau schlägt dann auch noch mit 1.500 US-Dollar zu Buche. Ein 128 MB RIMM Modul wird nämlich für etwa 500 $ und ein 64 MB Modul für 380$ gehandelt.
Die zweite Reduktion, die in der Produktion aber auf jeden Fall nicht mehr akut sein soll, bezieht sich auf den Takt, mit dem RAMBUS angesprochen wird. Aus den letztlich geplanten 400 MHz sind 300 geworden. Aber selbst das ist für viele Entwickler in Asien bereits zuviel. Die größten Probleme entstehen beim Layout der Motherboards nämlich bei der Verbindung zwischen Northbridge und den RIMMs. Die Laufzeit der Signale erfordert exakt gleich lange Leiterbahnen. Der Versuch das in den Griff zu bekommen, hat bei den Herstellern zu den abenteuerlichsten Schlangen und Zick-Zack Gebilden geführt. Während man bei den Standard Boards die Layouts nur bei genauer Betrachtung unterscheiden kann, ist bei den 820 Systemen der Übergang zu den RIMM Sockeln fast so etwas wie ein Fingerabdruck.
Insgesamt ist es der Bereich RAMBUS, der den Entwicklern Kopfzerbrechen bereitet. Abstrahlungen, die sich aus einem nicht belegten Slot immer ergeben, werden bei diesen Frequenzen zu einem echten Problem. Betroffen davon ist aber nicht nur das Motherboard, sondern auch alle anderen Komponenten, die sich im Rechner befinden. Einer der Entwickler war gar so vermessen zu behaupten, daß eine mangelhafte Vorsicht bei der Ansteuerung der RAMBUS RIMMS oder andere Qualitätsmängel an dieser Stelle zum Absturz von Graphik und Netzwerkkarten führen kann.
Wer sich mit HF auskennt, weiß was damit gemeint ist. Interferenzen, Induktionen und die gesamte Liste der EMI Probleme liegen schlagartig in den Händen der Entwickler von Motherboards, die sich bislang eher um Features als um nackte E-Technik kümmern mußten.
Camino hat also die besten Chancen zur Trennlinie zwischen den guten und den mittelmäßigen Entwicklern zu werden. Was wir gesehen haben, läßt wirklich einiges befürchten.
