Premiere hat viel vor

13:10 - Montag, 16. Juni 2008 von Bert Töpelt, Thomas Kretschmann
Quelle : Süddeutsche Zeitung – Kategorie : Fernseher
Tags: Schwarzseher, Umatz, Hauptversammlung 11 Kommentare

Auf der Hauptversammung hat Premiere-Chef Börnicke seine ehrgeizigen Ziele bekräftigt: Schwarzseher sollen endlich ausgesperrt werden, der Umsatz auf drei Milliarden Euro und die Kunden auf 10 Millionen steigen.

Trotz der Rückschläge, die Premiere in den letzten Monaten nach eigenen Angaben erlitten hat, steckt Premiere-Vorstands-Chef Michael Börnicke äußerst hohe Ziele. Einerseits geht Premiere fest davon aus, sich die Rechte an der deutschen Fussball-Bundesliga zu sichern: »Ich gehe davon aus, dass Premiere auch künftig die Bundesliga-Spiele ausstrahlt«, so Börnicke. Bis Ende September 2008 soll Premiere den Zuschlag erhalten haben. Auch wünscht sich Premiere mehr Exklusivität auf dem Gewinn bringenden Sport-Sektor, und fordert in der Süddeutschen Zeitung das Aus für die ARD-Sportschau im derzeitigen Sendeformat: Frühestens ab 22 Uhr sollen Zusammenfassungen im frei empfangbaren Fernsehen zu sehen sein.

Die Bundesliga ist aber nur ein Baustein im großen Premiere-Masterplan. Sind erst einmal die Lücken im Verschlüsselungssystem geschlossen, sollen auch die Zuschauerzahlen wieder steigen. Börnicke: »Ich erwarte im vierten Quartal das größte Wachstum an Kunden in einem Quartal in der Geschichte von Premiere«. Dabei helfen sollen neben rund 620.000 Kunden des gescheiterten Bundesliga-Senders Arena auch 200.000 Schwarzseher, die für Premiere zahlen sollen, wenn der Bildschirm schwarz wird.

Dem Konzern steckt er damit ein äußerst hohes Ziel: Der Umsatz soll bis 2012 auf drei Milliarden Euro steigen. Den erwirtschaftet Premiere dann mit hochgerechnet 10 Millionen Kunden. »Zugegeben, diese Zahlen sind ambitioniert, aber, und davon bin ich fest überzeugt, sie sind realisierbar«, so der Vorstands-Chef. Im ersten Quartal 2008 machte der Sender einen Umsatz von 251,5 Millionen Euro, im Gesamtjahr 2007 rund eine Milliarde. Eine Steigerung um das Dreifache in nur vier Jahren wird von Branchenbeobachtern als kaum möglich gewertet. Zudem soll auch der Gewinn entsprechend steigen, denn bis 2012 möchte Premiere seine Marge beim Ergebnis vor Steuern (EBITDA) auf 20 bis 30 Prozent erhöhen — 2007 lag sie bei rund 8,5 Prozent.

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Kommentare zum Beitrag
uhuebner 16/06/2008 13:36
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-1+
uhuebner
Ich bezweifle stark, dass mehr als 10 Prozent der Schwarzseher legale Premierekunden werden. Ich kenn einige, die das Schwarzsehen als Solches interessiert, die aber selbst bei einem Abo-Preis von 5 Euro nicht zahlen würden.
Premiere wird nicht untergehen, aber solange man im Free-TV noch gut (relativ, ich weiss) unterhalten wird, werden viele nicht bereit sein, für's Fernsehen zu bezahlen...
Ceru 16/06/2008 13:52
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Ceru
Wo Premiere gute chancen mit hätte, ist ein ehrgeiziges HD Projekt mit mehr "VoD" varianten und Ungeschnittene Filme.

Kurze Begründung: Die alten CRT fernseher weichen, vorallem bei Premiere Kunden, den neuen HD-Ready und auch Full HD Fernsehern. Man will nun auch ein geiles Bild und nicht son kümmelbild, wie man es vom Fernsehen gewohnt ist.

Alle Filme, oder zumindest ein Großteil, sollte per Premiere Direkt verfahren abrufbar sein. Ich möchte einen Film sehen, wann ich es will und wenn ich grade lust dazu habe, ich möchte nicht terminlich eingeschränkt sein oder mir den Film aufnehmen müssen.

Uncut: Erst letztens, es lief Sin City im fernsehen, ich habe mich richtig gefreut aber dann diese extrem geschnittene Version und das bei DEM film, das ging garnicht. Premiere hat sein eigenes System, sie sollten daher auch Kindersicherung einbauen können, zur rechtlichen absicherung.

Premiere muss jetzt investieren, wo die Privaten und öffentlichen sich scheuen, sprich HD Fernsehen der zukunft. Sie haben keine "Quoten" Probleme und müssen alles rechtfertigen, sie müssen Abos verkaufen. Und das geht nicht mit einen neuen Verschlüsselungsverfahren, das geht mit einen Blick in die Zukunft.
InVisual 16/06/2008 13:56
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InVisual
sehe ich genauso - diese werte sind unrealistisch. aber was das bezahlen fürs fernsehen betrifft - das tun eh alle via gis/gez und haufenweise werbung. für normalo-gucker (rosamunde pilche, wetten dass, ...) brauchts kein premiere und für leute wie mich die gerne guten filme gucken - da nehm ich lieber dvd oder noch besser blue ray. und bei den extremen geschwindikeitssteigerungen im internet (handy in zukunft mit 150 mbit) ist hdtv-streamen bald der tod für premiere.
LegdocheinEi 16/06/2008 14:29
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LegdocheinEi
so ganz kann ich die ausführungen von herrn börnicke auch nicht nachvollziehen. diese anvisierten 20-30 % umsatzrendite sind eine absolut kranke erwartung, geweckt von unrealistischen amerikanischen firmenphilosophien.

es wäre für premiere bestimmt ein versuch wert, das massengeschäft zu erschließen. einzelne pakete für 5-10 Euro oder das all-inclusive für 20 Euro würde die leute bestimmt anziehen - ich würde da auf jeden fall zuschlagen.

auch im bereich HD müßte sich was tun. gerade die film-, sport- und technikverliebte klientel der 20 bis 50 jährigen würde doch darauf anspringen. fast jeder meiner bekannten hat zuhause mittlerweile einen flach-tv und interessiert sich für HD.
Mindmaster 16/06/2008 14:53
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Mindmaster
Das größte Manko, das ich dabei sehe, ist die Umstellung der Packete. In zukunft bekommt man ja teilweise nur nich die Hälfte für den doppelten Preis und da werden wahrscheinlich mehr Kunden verloren gehen, als Neue dazugewonnen werden können.
lukisbg 16/06/2008 15:49
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lukisbg
kurze zwischenfrage bezüglich fernseh-gebühren: müsst ihr in deutschland eigentlich auch rundfunkgebühren bezahlen?

wir werden gezwungen, sobald wir einen fernseher im haus stehen haben rundfunkgebühr an die GIS zu zahlen, das monatlich glaub ich ca. 20€ sind... und sowas für so "tolle" sender wie orf...

müsst ihr da auch zahlen?
Anonymer Nutzer 16/06/2008 16:12
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JA!

was für eine verschwendung!
Canard 16/06/2008 20:05
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Canard
Ich denke auch, dass Premiere durch ihre absolut überzogene Preispolitik eher noch Kunder verlieren, als dass sie Kunden gewinnen. Ich meine wer bezahlt denn bitte gerne für jeden Sender extra und dann auch noch pro Topfilm nochmal extra? Ein All-Inklusive Paket für 20,- für das, was derzeit jeder Schwarzseher hat, nämlich ALLE Premiere Sender WANN und WIE er will, damit könnte Premiere Kunden gewinne. Und dann noch kleinere Pakete ab 5,- im Monat.

Technisch gesehen kann natürlich jeder Kopierschutz geknackt werden, ohne Rückkanal sehe ich da "schwarz" (hahaha)
LegdocheinEi 16/06/2008 21:10
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LegdocheinEi
lukisbg schrieb :

kurze zwischenfrage bezüglich fernseh-gebühren: müsst ihr in deutschland eigentlich auch rundfunkgebühren bezahlen?



es läuft bei uns ganz ähnlich! aber wer seinen fernseher einfach NICHT anmeldet zahlt auch nichts. ;-)
Anonymer Nutzer 17/06/2008 08:09
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"Auch wünscht sich Premiere mehr Exklusivität auf dem Gewinn bringenden Sport-Sektor, und fordert in der Süddeutschen Zeitung das Aus für die ARD-Sportschau im derzeitigen Sendeformat: Frühestens ab 22 Uhr sollen Zusammenfassungen im frei empfangbaren Fernsehen zu sehen sein."

Ist das nicht Hammer des Tages? Soll vielleicht, nach dieser Logik, auch ein Teil der GEZ-Gebühr auch an Premiere gehen?
Pivo 17/06/2008 08:56
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Pivo
Wird Zeit, daß Fiußball vom Rundfunkrat endlich als "Information des allgemeinen öffentlichen Interesses" klassifiziert wird.

Dann währen nämlich die frei empfangbaren Sender verpflichtet, auch die Bundesliga tlw. live zu übertragen - und das ganz ohne Allimentierung der notleidenden Clubs.

Dann ist das Thema Premiere obsolet und der Fußball an sich wird wieder in den Fokus des Interesses gerückt.
Heute ist der eigentliche Sport doch nurmehr ein notwendiges Vehikel, um Werbebotschaften und Kohle zu transportieren.

Ich denke der Börnicke sollte mal ein paar Takte zurückrudern und sich an einen alten, aber wahren Spruch erinnern:
"Hochmut kommt vor dem Fall".

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