Prozessoren-Stresstest: Intel gegen AMD

18:00 - 17/12/2004 von Frank Völkel

Der "Stresstest AMD vs. Intel" lief vom 17.12.2004 bis 10.01.2005. Längst war nicht alles bestens.

Der THG-Stresstest "AMD vs. Intel" läuft nun mittlerweile seit 12 Tagen. In dieser Zeit hat sich viel getan. Vor allem die Reaktion unserer treuen Leser war überwältigend: Mehrere hundert Emails erreichten uns innerhalb kurzer Zeit überwiegend mit dem gleichen Tenor: Warum setzt THG keine Gehäuse bei diesem Stresstest ein? Weitere Anfragen aus Foren zielten in die gleiche Richtung. Unsere Reaktion: Ja, wir werden in den nächsten Tagen die beiden System-Plattformen in hochwertige Gehäuse einbauen, wie es in der Praxis üblich ist. Das bedeutet für die beiden Systeme in jedem Fall eine deutlich höhere Belastung, da die Temperaturen im Vergleich zum offenen Betrieb ansteigen. Um den optischen Auftritt attraktiv zu halten, wird der Leser nach wie vor alle Komponenten im Auge behalten können.

Eine Anmerkung gibt es noch zum Intel-System, bei welchem wir nicht die 5-Volt-Spannungsversorgung darstellen können. Der Hintergrund sind Inkompatibilitäten zwischen der momentan eingesetzten Software und dem Motherboard. Wir arbeiten an einer Lösung.

Doch nun zum zeitlichen Ablauf des Stresstests - aktuelle Daten zuerst:

Montag, den 24. Januar 2005: Heute erreichte uns eine Presseerklärung von MaxPoint bezüglich des defekten Tagan-Netzteils.

Montag, den 10. Januar 2005: Heute ist Schluss! Ohne Probleme überlebten beide Testplattformen den Start ins neue Jahr 2005. Nach den anfänglichen Abstürzen erreichten beide Systeme eine fehlerfreie Rekordlaufzeit von 11 Tagen und 22:53 Stunden für AMD beziehungsweise 17 Tage und 14:28 Stunden für Intel. Jedoch verzeichneten wir vorher insgesamt 3 Reboot-Vorgänge bei Intel und 2 bei AMD. Für uns ergaben sich aus dem THG-Stresstest folgende Schlussfolgerungen: Anwender sollten bei Sockel-775-Systemen (Intel) einen hohen Stellenwert auf die korrekte Installation des CPU-Kühlers legen, damit die immense Verlustleistung wirkungsvoll absorbiert wird. Positiv überrascht waren wir vom AMD-System. Im Gegensatz zu schlechten Erfahrungen aus früherer Zeit sind solche Plattformen nun als stabil einzustufen. Generell gilt festzuhalten: Einen wesentlichen Beitrag leistet sicherlich das weit verbreitete Betriebssystem Windows XP. Unseren Prognosen zufolge wären solche lange Laufzeiten mit dem veralteten Wackelkandidaten Windows 98 nicht möglich gewesen. Das wertvolle Feedback und die hohe Anteilnahme unserer Leser haben uns angeregt, weitere Stresstests - auch in anderen Bereichen - in der Zukunft im Münchner THG-Labor anzusetzen. Zu guter Letzt noch zwei Hinweise für unsere aufmerksamen Leser: Die aktuelle Software Active Webcam von PYSoft erwies sich nicht immer als zuverlässig. Der Netzteilhersteller Tagan konnte uns bis heute nicht mitteilen, warum das Netzteil TG480-U22 beim Intel-System ausgefallen war.

Mittwoch, den 29. Dezember 2004: Der Einbau der beiden Testplattformen in transparente Gehäuse ging ohne Zwischenfälle vonstatten. Nach einer kurzen Unterbrechung liefen beide Systeme wieder auf Volllast. Unsere Erwartungen stellten sich als falsch heraus: So vermuteten wir, dass durch eine höhere Innentemperatur die Systeme häufiger ausfallen würden. Stattdessen passierte 6 Tage gar nichts. Durch den Einbau in ein Gehäuse sank die durchschnittliche Temperatur des Athlon64 von 60 auf 57°C, der CPU-Lüfter drehte trotzdem mit einer durchschnittlichen Umdrehungsgeschwindigkeit von 4000 UPM. Die Innentemperatur der AMD-Plattform sank von 38 auf 35°C. Bei Intel blieb die CPU-Temperatur konstant bei 62°C. Jedoch erhöhte sich die automatisch geregelte Drehzahl des CPU-Lüfters von 3100 UPM (ohne Gehäuse) auf 5000 UPM (mit Gehäuse). Die Innentemperatur des Intel-Systems stieg seit dem Umbau von 38 auf 45°C. Hinweis: Beide Plattformen wurden in identische Gehäuse eingebaut.

Trotz der günstigeren Rahmenbedingungen fiel heute das AMD-System plötzlich aus. Der Rechner bootete auf einmal neu. Eine Kurzanalyse der Logfiles zeigte jedoch keine Hinweise auf dieses Fehlverhalten. Wir versuchen dennoch, der Ursache auf den Grund zu gehen.

Donnerstag, den 23. Dezember 2004: Beide Systeme laufen einwandfrei - Ausfälle wie in den letzten Tagen gibt es nicht. Am Abend steht der bereits angekündigte Umbau an: Beide System-Plattformen werden nun in transparente Gehäuse eingebaut. Das Ziel: Absolut praxisnahe Testbedingungen, wie sie auch jeder Anwender vorfindet. In jedem Fall bedeutet das eine höhere Wärmeentwicklung als bisher, da die Komponenten dichter beisammen und in einem geschlossenen Gehäuse installiert sind.

Sämtliche Komponenten wurden jetzt in diese transparenten Gehäuse eingebaut.

Mittwoch, den 22. Dezember 2004: Nachdem wir gestern das ausgefallene Netzteil von Tagan durch ein Modell von Antec ersetzt haben, bemerkten wir eine weitere Unzulänglichkeit. Beim Intel-System stieg die Temperatur von 65 Grad Celsius auf bedenkliche 75 Grad Celsius (Auswertung der Temperaturdiode der CPU) an. Zur gleichen Zeit sank die Lüfterdrehzahl von zirka 4000 Umdrehungen auf 3500 Umdrehungen pro Minute ab. Was war passiert? Beim Wechsel des Netzteiles hatte sich die Position des Kühlers auf der CPU um Nuancen verändert und gleichzeitig der Anpressdruck verringert. Demzufolge stieg der thermische Widerstand an und die Kühlleistung wurde vermindert. Da sich jedoch ein zusätzlicher Temperatursensor am CPU-Kühler befindet, der den Temperaturabfall registriert, wurde automatisch vom Motherboard die Drehzahl herabgesetzt. Oder einfach erklärt: Der Sensor des Kühlers reagierte auf den geringeren Wärmestrom.

Dieses Blockschema aus Intels "Thermal Design Guide" verdeutlicht beispielhaft den Regelkreis bei einer CPU-Lüftersteuerung

Diese Aussagen betreffen ausschließlich Motherboards mit Sockel 775 und entsprechenden Kühlern mit 4-Pin-Anschluss. Zum Vergleich: Das trifft auf bewährte Platinen mit Sockel 478 nicht zu, da der Kühler nicht direkt am Motherboard befestigt wird (dank des Retension Module) und weniger anfällig gegenüber äußeren Krafteinwirkungen ist. Zudem gibt es keine aktive Lüftersteuerung. Ähnliche Erfahrungen, die uns bis dahin unbekannt waren, sammelten einige Leser von THG vor einigen Wochen.

Wenig neues gibt es beim AMD-System zu berichten: Alle Komponenten verrichten seit 5 Tagen ihren Dienst.

Dienstag, den 21. Dezember 2004: Der Tag begann mit einem reibungslosen Betrieb, beide Systeme verrichteten fehlerfrei ihren Dienst. Doch gegen Abend, genau um 17.31 Uhr, passierte es: Das Intel-System fiel erneut aus und schaltete sich ab. Nach umfangreicher Analyse der Komponenten war die Ursache gefunden. Das Netzteil von Tagan des Typs TG480-U22 liefert zwar noch eine Standby-Spannung von 5 Volt, lässt sich jedoch nicht mehr einschalten. Erste Vermutungen der Testingenieure bezüglich der Fehlerquelle gab es bereits am Vortag, als das System ein ähnliches Verhalten aufwies. Eine eindeutige Antwort brachte letztendlich unser neuer Netzteil-Prüfstand. Eine wichtige Information: Die ausgefallene Komponente, in diesem Fall das Netzteil von Tagan, verweilt bis zum Ende des Tests im Münchner THG-Labor und kann jederzeit vom Hersteller überprüft werden.

Die Schwächen von Tagan sind nicht neu: Seit zirka einem Jahr sind insgesamt 5 Netzteile dieses Herstellers kurzerhand ausgefallen. Da kann auch die neue optische Anmutung mit spezieller Gummierung des Gehäuses nichts daran ändern.

Für Ersatz ist bereits gesorgt: Jetzt ist das Antec NEO480 im Einsatz. Seit 18.12 Uhr läuft das System wieder.

Sorgte für einen dauerhaften Ausfall des Intel-Systems: Das Netzteil des Typs TG480-U22 von Tagan mit neuer Optik. Im Einzelhandel kostet es zirka 80 Euro.

Montag, den 20. Dezember 2004: Der Tag begann mit Außentemperaturen von Minus 10 Grad Celsius. Und es gab reichliche Probleme. Als erstes zeigte die von uns eingesetzte Software zur Bildübertragung der Kameras ihre Schwächen und versagte den Dienst - zum Glück nur für kurze Zeit, da ein THG-Mitarbeiter schnell reagierte. Für große Überraschung sorgte das Intel-System, welches um 11.15 Uhr seinen Dienst quittierte. Die Plattform hatte sich kurzerhand abgeschaltet. Sämtliche Details dazu sind der Statistik-Grafik zu entnehmen. Aktuell läuft die Intel-Plattform wieder.

Sonntag, den 19. Dezember 2004: Am vierten Advent fiel eine Menge Schnee in München, was eindrucksvoll auf der Außenkamera zu sehen war. Beide Systeme verrichteten unter Volllast einwandfrei ihren Dienst.

Samstag, den 18. Dezember 2004: Ein unerwarteter Fehler unseres selbst programmierten Tools zur Darstellung der Systemlaufzeit - die Anzeige war für einige Zeit nicht aktuell. Dieses Problem wurde behoben und hatte keinerlei Auswirkungen auf den eigentlichen Stresstest.

Freitag, den 17. Dezember 2004: Start der beiden Plattformen - AMD und Intel - zur gleichen Zeit unter permanenter Volllast. Sämtliche Daten sind in den Statistik-Grafiken aufbereitet. Ansonsten ein problemloser Betrieb.

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