19:00 - 13/05/1998 von Thomas Pabst

Ein ganz entscheidendes Argument für ein System ist die Stabilität im täglichen Betrieb. Bei der Auswahl und Beschreibung von Software halten wir uns völlig zurück und überlassen das Anderen. Instabilitäten aus Sicht der Hardware fallen aber sehr wohl in unsere Verantwortung.

Mit der Einführung der 100 MHz Bus Geschwindigkeiten sehen wir alle uns einem Problem gegenüber, das in dieser Form bislang kaum aufgetaucht ist. Arbeitsverweigerung, weil die eingesetzten RAM Bausteine nicht akzeptiert werden. Im Rahmen unserer Tests hat sich herausgestellt, daß RAM Streifen, die in einem bestimmten Board arbeiten, von einem anderen nicht akzeptiert werden. (Trotzdem gibt es Boards, die RAM von jedem Hersteller akzeptieren, der die PC100 Norm einhalten) Wenn ein Hersteller in der Lage ist sein Board so stabil zu bauen, daß man eigentlich fast jeden RAM Streifen verwenden kann, dann ist es klar, daß Boards, bei denen das nicht geht ganz einfach nicht sorgfältig genug konstruiert und getestet worden sind.

Beim Test der Stabilität sind wir wieder bei dem Thema, für das Tom’s Hardware Guide schon fast zum Synonym geworden ist. Übertakten.

Systeme, die unter den stärkeren Belastungen des Übertaktens immer noch stabil und ohne Probleme arbeiten und alle Tests anstandslos über sich ergehen lassen, sind innerhalb der offiziellen Spezifikationen sicherlich stabiler als solche, bei denen dies nicht geht. Wir werden deshalb auch weiterhin Tests durchführen und Systeme und Komponenten übertakten. Wie gesagt diese Stabilität sagt nichts über Software aus; geschweige denn über die Stabilität beim Zusammenspiel verschiedener Programme.

Seit wir angefangen haben Systeme zu übertakten, hat sich das schon fast zu einem Volkssport entwickelt. Einige gehen sogar bis an die Grenzen des technisch machbaren ohne jede Rücksicht auf die Stabilität. Wir haben absolut kein Problem damit und es ist teilweise verblüffend zu sehen was aus dem einen oder anderen System herausgekitzelt werden kann. Wir glauben aber, daß falsche Erwartungen geweckt werden wenn Zahlen aus solchen Aktionen veröffentlicht werden.

Zur Wiederholung: Wir werden weiterhin übertakten, weil Schwächen eines Systems unter extremen Belastungen deutlicher zu Tage treten als im Standardbetrieb. Solche Umbauten sind aber ebensowenig für den täglichen Gebrauch geeignet, wie ein Formel 1 Auto, selbst wenn es von Mercedes kommt.

Wir wollen dazu ein kleines Beispiel anführen, denn wir haben unsere Entscheidung die Modalitäten unserer Tests zu ändern nicht getroffen weil es vielleicht "chic" ist sondern weil der besondere Fall des Übertaktens, bei zu vielen Leuten plötzlich als das Normalste der Welt erscheint.

Ein Leser hat uns um Hilfe bei einem interessanten Problem gebeten. Er hatte eine Diamond Monster II Karte gekauft. Nach der Installation der Treiber ist das System abgestürzt. In der Folge lief es weiterhin äußerst instabil und stürzte immer wieder ab. Erst als die Treiber wieder entfernt worden waren lief das System wieder stabil. Seiner Meinung nach waren es die Treiber der Diamond Karte, die in der Registry für Unruhe und die entsprechenden Abstürze sorgten. Bei Diamond hatte er bereits nachgefragt und sich bei dieser Gelegenheit auch über das instabile Produkt Graphikkarte beschwert. Bei Diamond hatte man keine Ahnung was passiert sein könnte, und so erhielten wir die Mail des gestreßten Users. Als wir in der Diskussion seine Systemparameter abfragten, stellte sich heraus daß er seinen Prozessor übertaktet hatte. Bislang haben wir noch keinen einzigen 3D Treiber gesehen, der in der Registry rumfummelt und damit das System lahmlegt. Deshalb war unser erster Tip auch zunächst den Prozessor wieder in seinen ursprünglichen Zustand zu versetzen. Nachdem er das getan hatte und die Treiber erneut installiert hatte, lief das System wieder anstandslos.

Wir denken, daß dieses Beispiel, das nur eines aus einer langen Reihe ist, sehr eindrücklich demonstriert welche Auswirkungen Übertakten haben kann, und vielleicht doch nicht gar so cool ist wie manch einer denken mag. Das schnellste System nutzt schließlich nichts, wenn es ständig abstürzt oder den Dienst nach einer Erweiterung völlig versagt. Es ist ja ganz nett ein 500 MHz System zu bauen. Schöner ist es einen Rechner zu haben, der diesen Wert zwar nicht erreicht dafür aber die Ergebnisse liefert, mit denen man etwas anfangen kann.

Es ist sicherlich richtig und auch wichtig, daß ein Board die Möglichkeit zum Übertakten anbietet. Wir begrüßen das auch sehr. Gleichzeitig wollen wir aber feststellen, daß die Option zum Einstellen einer höheren Taktfrequenz aus der Liste der zwingend geforderten Merkmale gestrichen wird. Zu den Gründen, die wir bislang aufgeführt haben kommen noch zwei weitere. Bei der Erhöhung des Bustaktes werden die Karten und deren Funktion als erste in Mitleidenschaft gezogen. Diese Karten reagieren in aller Regel deutlich sensibler als ein Motherboard.

In den Zeiten, da uns der 100 MHz Bus zur Verfügung steht und AGP sowie PCI in ihrer vollen Geschwindigkeit arbeiten können

Stabile Systeme sind gefragt. Und wir können uns nicht helfen, aber zum jetzigen Zeitpunkt sehen wir keinen Grund mehr für einen Bustakt von 83 MHz oder solche für ein Board mit mehr als 112 MHz FSB, auch wenn einige Boards die Möglichkeit für 133 MHz FSB anbieten.

In allen zukünftigen Tests sollen die Features sehr viel deutlicher hervorgehoben werden. On-Board SCSI, Sound Graphik und Netzwerk aber auch andere Leistungen. Ein Beispiel ist das wake on Chip Card das die neuen Siemens BX Boards anbieten. Wake on was auch immer hilft Energie zu sparen und bietet sich im professionellen Umfeld als Sicherheitsfeature an. Aber auch Leistungen wie suspend to disk, bei den Notebooks schon fast der Standard ist für ein Desktopsystem eine hilfreiche und sinnvolle Einrichtung. Das es kein Hexenwerk ist solche Merkmale zu berücksichtigen, zeigt A Open schon seit über einem Jahr in seinen verschiedenen Modellen. Dinge wie System monitoring zur Temperatur und Funktionsüberwachung haben mit dem Voranschreiten der Prozessortechnologie an Bedeutung gewonnen. Oder wollen Sie einen PII ohne entsprechende Kühlung betreiben? Es ist doch billiger ein Feuerzeug zu kaufen als den Prozessor solange zu überhitzen, bis er diese Funktion übernehmen kann.

Noch ein Satz zu USB. Nach wie vor können wir keinen Grund sehen, weshalb USB von Interesse sein könnte. Weshalb sollte sich ein Anwender eine USB Tastatur anschaffen. Die zusätzlichen Kosten sind durch nichts gerechtfertigt. Seit zwei Jahren ist USB verfügbar und wo sind die Peripheriegeräte, die bei gleichem Preis bisher verwendete Produkte ersetzen können? Wir halten USB für einen Flop. Ob das Microsoft und Intel nun paßt oder nicht.

Wieviel Wert wir auf die Qualität und Stabilität legen wollen haben wir hinlänglich genau beschrieben. Da Fehler bei elektronischen Baugruppen in aller Regel in den ersten Wochen oder aber erst nach Jahren auftreten ist die Aussagekraft unserer Tests aber auch die aller anderen Tester an dieser Stelle etwas eingeschränkt. Wir versuchen an dieser Stelle durch Temperaturtests und besonders durch Übertaktung möglichst genaue und zuverlässige Aussagen zu treffen. Es ist aber eine Lüge, wenn man behauptet Ein Produkttest ist in allen Bereichen perfekt.

Wir fordern unsere Leser auf uns über Ihre Erfahrungen zu berichten, um unseren Testaufbau anzupassen und um die Probleme des täglichen (Computer) Lebens besser berücksichtigen zu können. 1.000 Köpfe und Tester sind immer besser als 10.

Die Reihenfolge und Bewertung in unseren Tests sieht in der Zukunft also folgendermaßen aus:

Kompatibilität und Zuverlässigkeit (AGP, PCI, ISA, BIOS, RAM, Verträglichkeiten) Feature Liste (On Board, Einstellungen, Übertaktung) Geschwindigkeit (Office und Spiele Performance)

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