Fazit: Der Athlon XP3200+ mutiert zum Papiertiger

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19:00 - 13/05/2003 von Frank Völkel

Ganz so laut darf es gar nicht gesagt werden, aber die Tatsachen lassen sich nicht verschweigen: Mit dem Athlon XP3200+ erhebt AMD den Anspruch, den schnellsten Desktop-Prozessor anzubieten. In der Praxis zeigt sich ein anderes Bild: Aus dem ehemaligen Preis-Leistungsschlager ist ein Papier-Tiger geworden, wobei allein das utopische Model Numbering für Unmut unter den Testingenieuren sorgt.

Die Benchmarktests beweisen es: Der Prozessor hätte realistisch gesehen die Bezeichnung XP2800+ verdient - damit hätte niemand ein Problem - sofern AMD sich noch mit Intels P4 vergleichen will. Aber die 3200er Marke ist viel zu hoch gegriffen, zumal Intel demnächst bei den niedriger getakteten P4-CPUs den erhöhten FSB-Takt einführt.

Fairerweise muss jedoch gesagt werden, dass der Athlon nur mit der halben Bandbreite beim Front-Side-Bus und einer viel niedrigeren Core-Taktrate im Vergleich zum P4 auskommen muss. Beide Plattformen haben erstmals ein schnelles Dual-Channel-DDR400 Interface (CL2-Modus) gemeinsam. Damit liegt die Speicherbandbreite bei theoretisch möglichen 6,4 GB/s. Bei den Benchmarktests profitiert der P4 mit 3 GHz eindeutig von der HT-Technologie und optimierter Software im Zusammenspiel mit dem FSB200 (Quad-Data-Rate). Beispiele dafür sind das populäre Packprogramm Winrar 3.11 sowie Cinema 4D XL mit dem neuen Update 8.1. Interessant auch das neue 3D-Actionspiel Splintercell (Version 1.2b), welches THG exklusiv zum Test erhielt: AMD legt durch die Erhöhung des FSB deutlich zu.

Zudem entfällt beim neuen Topmodell des Athlon das Argument als "Upgrade-Prozessor". Denn: Für den Einsatz des Athlon XP3200+ ist neben einer neuen Platine mit Dual-Channel-Interface und FSB200 auch noch schneller DDR400-Speicher notwendig. Es sei denn, der Anwender begnügt sich mit dem alten Motherboard samt 166 MHz FSB - doch dann hat die Anschaffung der neuen CPU auch keinen Sinn. Schließlich entfaltet der Athlon XP3200+ nur in einem optimalen Hardware-Umfeld seine maximale Leistung. Ähnlich verhält es sich beim Intel Pentium 4, dessen Anschaffung in der Summe noch wesentlich teurer kommt. Die AMD-Fan-Gemeinde schrumpft, selbst unerschrockene Freaks wechseln ins Intel-Lager. Eine weitere Vorstellung eines Athlon XP3400+ erscheint nicht sinnvoll. Vorhang zu. Es ist Zeit für den Athlon 64. Vorhang auf.

Und um den Wettbewerb nicht zu verzerren: THG fordert AMD auf, das Model Numbering beim neuen Athlon XP zu korrigieren. Andernfalls verliert der Kunde das Vertrauen.

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