Vorreiter: Audi/VW, BMW, Mercedes und Porsche

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16:00 - 19/07/2006 von Frank Völkel

Bei der Entwicklung neuartiger Assistenz-Funktionen übernehmen vor allem die Hersteller der gehobenen Fahrzeug-Klasse aus Deutschland eine Vorreiterrolle. Hoher Forschungs- und Entwicklungsaufwand ist notwendig, um den Serieneinsatz von neuen Fahrer-Assistenzsystemen zu ermöglichen.

Vor einigen Tagen veranstaltete BMW in München einen "Innnovationstag" zum Thema Fahrerassistenzsysteme. Der Hersteller gab auch einen Einblick zu neuen Methoden, Konzeption und Erprobung von Assistenzsystemen.

Automatische Geschwindigkeits- und Abstandsregelung

Automatische Geschwindigkeitsregelung mit Stop & Go - in der Testphase in einem 5er BMW. Wahlweise kann diese Funktion später auch in den kleineren Modellreihen Einzug halten.

BMW zeigt mit der automatischen Geschwindigkeitsregelung inklusive Stop & Go Funktion ein Assistenzsystem, welches die Sicherheit im Straßenverkehr erhöht und vor allem für Fahrten auf Autobahnen und Landstraßen konzipiert wurde. Es ist für den Geschwindigkeitsbereich zwischen 180 km/h bis zum Stillstand des Fahrzeugs ausgelegt. Das Prinzip: Die Geschwindigkeitsregelung beschleunigt und verzögert das Fahrzeug automatisch, so dass der Fahrer bei Kolonnenfahrt, niedriger Geschwindigkeit und im Stau entlastet wird.

Drei Radarsensoren übernehmen die Abstandsmessung zu Objekten in der Umgebung.

Die zur Einhaltung eines konstanten Sicherheitsabstands notwendigen Daten werden mit Radarsensoren ermittelt. Um das System in einem möglichst breiten Bereich einsetzen zu können, wird bei der Geschwindigkeitsregelung mit Stop & Go Funktion ein Fernbereichssensor mit einer Reichweite von bis zu 150 Metern mit zwei Nahbereichssensoren kombiniert. Somit lassen sich vorausfahrende Fahrzeuge in einem Abstand von bis zu 20 Metern erkennen. Die Radarsensoren sind recht unauffällig in die Frontpartie des Autos integriert. Ein zentrales Steuergerät wertet die Signale der Radarsensoren aus. Dazu werden sämtliche Daten über Position, Abstand und Geschwindigkeit der vorausfahrenden Fahrzeuge verarbeitet. In Abhängigkeit von der Verkehrsituation greift das Steuergerät nicht nur in das Motor- und Getriebemanagement ein, sondern aktiviert auch das Bremssystem. Wird der definierte Abstand unterschritten, verringert das System durch Eingriffe in die Antriebssteuerung und den Aufbau von Bremsdruck ohne Zutun des Fahrers die Geschwindigkeit. Die maximale Verzögerung, die vom Steuergerät eingeleitet werden kann, beträgt bei Autobahnfahrten 2,5 m/s², bei niedrigen Fahrgeschwindigkeiten werden auch höhere Verzögerungswerte zugelassen. Sollte ein Eingreifen des Fahrers erforderlich sein, weil das vorausfahrende Fahrzeug extrem stark verzögert, wird er wahlweise durch optische und akustische Signale dazu aufgefordert.

Hier ein Blickerfassungssystem in der Erprobung. Diese Technik soll verhindern, dass der Fahrer unkonzentriert ist oder gar einschläft. Mit Hilfe einer Auswertungssoftware wird ermittelt, welche Objekte wie lange angeschaut werden.

Einen Schritt weiter geht der abstandsgeregelte Bremsassistent, der die Sensorik der Geschwindigkeitsregelung nutzt. Das System unterstützt den Fahrer beim Erkennen und Bewältigen von Situationen, die eine besonders intensive Verzögerung seines Fahrzeugs erfordern. Sobald die drei Radarsensoren ein vorausfahrendes Auto erfasst haben und das Steuergerät eine bedrohliche Situation erkannt hat, wird der Fahrer durch eine Vorwarnung informiert. Eine solche Auffahrwarnung wird ausgelöst, wenn zum Beispiel der Vordermann unvermutet stark abbremst oder der Abstand ein kritisches Niveau erreicht. Als Auslösekriterien für eine Warnung dienen die Relativgeschwindigkeiten der beteiligten Fahrzeuge, der Abstand zueinander sowie die für eine Notbremsung verbleibende Zeitreserve. Bei Ausstattung des Fahrzeugs mit einem Head-Up-Display wird die Warnung zusätzlich als Grafik in die Frontscheibe projiziert.

Nimmt der Fahrer aufgrund der Warnung den Fuß vom Gas, wird automatisch das Motorschleppmoment erhöht. Dadurch verringert sich die Geschwindigkeit, noch bevor der Fahrer die Bremse betätigt. Zugleich wird das Bremssystem durch Herabsetzen der Auslöseschwellen des hydraulischen Bremsassistenten in Funktionsbereitschaft versetzt. Außerdem werden mit sofortigem Druckaufbau im Bremssystem die Bremsbeläge an die Scheiben herangeführt, ohne eine Verzögerung zu bewirken. Im Falle einer Notbremsung lässt sich wesentlich schneller die maximale Bremsleistung erreichen. Reagiert der Fahrer nicht auf die Warnung, wird er durch ein zusätzliches optisches Signal sowie über einen Warnton zum Eingreifen aufgefordert.

Abstandsgeregelter Bremsassistent mit Grafikdarstellung im Head-up-Display auf die Frontscheibe projiziert -hier wieder in einem 5er BMW (E60).

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