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Online-Spiele gibt es bereits seit einigen Jahren, und eines der beliebtesten Spiele war bis jetzt - so unglaublich es auch klingt - Schach! Also suchen Microsoft, Sony, Electronic Arts, NCSoft und all die anderen neue Bobby Fischers, und sie werden sie auch finden.
Fischer, Reykjavik, 1972

Warum reden wir ausgerechnet von Schach und Bobby Fischer? Nun, gute Schachspieler haben oft niemanden, mit dem sie spielen können. Außergewöhnlich gute Schachspieler finden kaum echte Herausforderer in der näheren Umgebung. Und die weniger guten Spieler, die in der Nähe wohnen, möchten nicht gegen sie spielen. Wer will schon gern gnadenlos niedergemetzelt werden! Deshalb haben die besten Schachspieler in der Vergangenheit per Post gegeneinander gespielt.
Man überlegt den nächsten Zug, rückt die Figur und schickt den Zug an den Gegner am anderen Ende der Welt. Dann wartet man auf den Gegenzug, während man sich über seinen letzten Zug ärgert. Man überlegt, welchen Zug der Gegner macht, seinen eigenen Gegenzug. So eine Partie konnte unter Umständen Jahre dauern.
Das ist wohl auch der Grund, warum kaum jemand der führenden Schachriege viel Aufhebens darum machte, als der englische Großmeister Nigel Short dem Daily Telegraph verkündete, er habe online gegen Bobby Fischer gespielt. Wo sonst könnte ein einsames, paranoides, Gewichte stemmendes Genie wie Fischer einen würdigen Gegner finden? Eine Partie gegen die amerikanische Schach-Meisterin Lisa Lane verweigerte Fischer mit den Worten: "Frauen sind Schwächlinge. Ich könnte ohne Springer gegen jede Frau der Welt gewinnen."
Nachdem er Spasky in einer weltweit per Fernsehen übertragenen Partie 1972 vernichtend geschlagen und damit der 30-jährigen sowjetischen Vorherrschaft ein Ende gesetzt hatte, zog sich Fischer fast völlig aus der Öffentlichkeit zurück. Seit Reykjavik gab Fischer nur gelegentliche Radio-Interviews oder spielte die eine oder andere Partie um sein Bankkonto aufzufüllen. Der Mythos um Fischer, der mit nur 14 Jahren Großmeister wurde, ist so groß, dass wir den Titel des vorliegenden Berichts dem Film über sein Leben entlehnt haben.
Der Film handelte allerdings nicht vom Schach oder Fischer, sondern von einem süßen Kind, das den Autismus besiegt. Und genau darin liegt der Reiz von Online-Spielen.
Was wäre, wenn Bobby Fischer gegen einen Computer spielen könnte? Würde er es tun? Nun, auf jeden Fall können Sie es. Wahrscheinlich hat Bobby Fischer bereits gegen einen Computer gespielt. Das tun aber nur wenige, weil es so langweilig ist. Deshalb hat wohl auch noch niemand an ein Schachspiel zwischen zwei Computern gedacht. Es gab lediglich Spiele zwischen Mensch und Computer, wie das berühmte Duell zwischen Deep Blue von IBM und Gary Kasparov.

Quelle: Chessbase.
Kasparov gewann ein Spiel, Deep Blue zwei, und die übrigen drei Spiele endeten mit einem Remis. Während wir diese Zeilen schreiben, ist das Match "Brains in Bahrain" zwischen Kramnick und Deep Fritz gerade beendet, aber das interessiert kaum jemanden.
Was das Spiel zwischen Kasparov und Deep Blue so interessant machte, war die Frage, ob Menschen eine Maschine bauen können, die schlauer ist als ein Mensch. Das Spiel und der Computer selbst waren nur Nebensache. Wen kümmert es schon, wie viele Millionen Züge ein Deep Blue pro Sekunde berechnen kann (falls es Sie interessiert, es sind 200 Millionen).
Genau darum geht es auch bei einer riesigen Multi-Player-Spielewelt im Internet - nur in einem noch viel größerem Maßstab.
