In einem Gespräch Anfang der Woche versicherte uns Greg Myers, der Produkt Marketing Manager für Core Duo bei Intel USA: "Wir sind davon überzeugt, dass wir die Stromsparfunktionalität für USB 2.0 in der gesamten Centrino Plattform korrekt implementiert haben. Dazu gehören auch die 945er Chipsatzfamilie und der ICH-7." Dabei argumentierte er, dass die Richtlinien für USB 2.0 Technologie immer auch für mehrere Geräte gleichzeitig gelten. "Jedes einzelne Gerät muss die USB 2.0 Stromsparfunktionalität korrekt umsetzen. Ist dies auch bei nur einem einzigen Gerät oder einer Komponente nicht der Fall, so wirkt sich das auf das gesamte System aus."
Konkret handelt es sich laut Intel und Microsoft bei der fehlerhaften Komponente die den hohen Stromverbrauch verursacht um den Windows-eigenen Advanced Configuration and Power Management Interface (ACPI) Treiber , also ein Stück Software, das durch das Betriebssystem bereitgestellt wird. Aufgabe des Treibers ist es eigentlich, Geräte anzuweisen sich auszuschalten wenn sie nicht benötigt werden, denn ACPI sieht mehrere verschiedene "Schlafmodi" vor, die von eben diesem Treiber erkannt und unterstützt werden sollen. Computerkomponenten-Hersteller wie IBM müssen ihre externen Geräte so bauen, dass sie die vom ACPI-Treiber erkannten Stromsparmodi unterstützen. Die Hersteller könnten also nicht einerseits einen eigenen, proprietären Treiber einsetzen und andererseits erwarten, dass ein Computer dann noch alle erhältlichen USB Geräte voll unterstützt. Deshalb nutzen die Hersteller auch den in Windows eingebauten ACPI-Treiber von Microsoft als eine Art Referenztreiber - mit dieser Softwarekomponente muss das Gerät umgehen können, wenn das gesamte System am Ende laufen soll.
Da es zum jetzigen Zeitpunkt so aussieht, als seien Microsofts Treiber zumindest mitverantwortlich für dieses Problem, ist es relativ wahrscheinlich, dass Apples kürzlich vorgestellten MacBook Pros - die ebenfalls den Core Duo Prozessor und den 945 Chipsatz nutzen - von dem Problem nicht betroffen sind. Andererseits haben wir derzeit noch kein MacBook Pro, um dies "am lebenden Objekt" nachprüfen zu können.
Um sicherzustellen, dass der übermäßige Stromhunger nicht durch das externe Laufwerk verursacht wird, führten unsere wir dieselben Benchmarks wie auf den Asus Notebooks auch auf einem Vorserienmodell des MSI Megabook S270 durch. Das Megaboook zählt zu der Klasse der ultraportablen Mobilrechner, baut auf ATIs Radeon RS480/SB400 Chipsatz auf und nutzt einen AMD Sempron 3000+. Seine Batterie hat eine Kapazität von reellen 26Wh (auf dem Papier sind es 30 Wh). Während der Tests lag die Prozessorlast laut Windows Task Manager bei moderaten 3 bis 4 Prozent, und auch hier maßen wir am USB Port einen Stromverbrauch von 170mA, also genau denselben Wert wie bei den beiden Asus Systemen.

Im ersten Durchlauf von Mobilemark 2005, bei dem das externe Laufwerk außen vor blieb, stellten wir eine Akkulaufzeit von einer Stunde und 26 Minuten fest. Beim zweiten Durchlauf schlossen wir, wie schon vorher bei den Asus Notebooks, das externe IBM Laufwerk an. Danach sank die Laufzeit auf 1:12, also eine Verkürzung von 16 %, ein deutlicher Unterschied verglichen mit den 44 % Verkürzung beim Core Duo / 945 GM Gespann unter gleichen Voraussetzungen.
Am späten Freitagnachmittag meldete sich erneut ein Intel-Mitarbeiter bei unserem Münchner THG Labor. Er erklärte, die enorm verkürzte Batterielaufzeit sei vermutlich darauf zurückzuführen, dass einige Komponenten in der Napa-Plattform Probleme beim Erreichen der tieferen Stromsparmodi hätten - wie gesagt, diese Modi werden durch Microsofts ACPI-Treiber reguliert. Nun kam noch mal ein wenig Bewegung in die Sache, denn kurz vor 23:00 Uhr Münchner Zeit scheint Microsoft die Schweigeverpflichtung bezüglich des Knowledge Base Artikels aufgehoben zu haben. Das Resultat: Intel konnte uns endlich über den Inhalt des Knowledge Base Artikels einweihen.
