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Interview mit Intel: Marktoffensive mit Chips

20:26 - Donnerstag, 15. März 2007 von Frank Völkel
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Intel steht gegenüber Kontrahent AMD glänzend da. Die Zukunft gehört neuen Plattformen mit DDR3-Speicher und 4-Kern-CPUs im Massenmarkt. THG spricht mit Geschäftsführer Hannes Schwaderer.
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Aus Fehlern vergangener Jahre gelernt?

Frank Völkel von THG im Interview mit Hannes Schwaderer, Geschäftsführer von Intel Deutschland.

Intel ist mit seiner Core-Prozessor-Architektur im Massenmarkt sehr erfolgreich und im Begriff, den Vorsprung gegenüber Mitbewerber AMD weiter auszubauen. Dennoch verzeichnete das Unternehmen einen Umsatzrückgang von 38,8 auf 35,4 Milliarden Dollar im vergangenen Jahr. Gleichzeitig sank der Gewinn von 8,7 auf 5 Milliarden Dollar. Diese Zahlen haben den Aktienkurs stark in Richtung Süden drehen lassen. Der harte Konkurrenzkampf mit AMD hat bei Intel zu einem Einbruch bei den ASPs (Average Selling Price, durchschnittlicher Verkaufspreis) geführt. Und es sind vor allem die vergangenen zwei Jahre, in denen AMD stark an Boden gutmachen konnte. Erst mit den neuen Core-Prozessoren konnte der weltweite Marktführer bei Chips für gehörigen Abstand zum Kontrahenten AMD sorgen. Intel wappnet sich für die nächsten Jahre und stellt sich auf einen harten Wettbewerb ein. Mehr als 10000 Arbeitsplätze hat der Beinahe-Monopolist im vergangenen Jahr gestrichen und unwirtschaftliche Unternehmensanteile kurzerhand verkauft. Zugunsten einer höheren Auslastung in den Fabriken wurden die Preise gesenkt, alte Lagerbestände mit Pentium-4/D-Prozessoren werden sukzessive abgebaut.

THG traf sich auf der Cebit mit dem Geschäftsführer von Intel Deutschland, Hannes Schwaderer, und sprach über neue Produkte, Strategien und den erbitterten Preiskampf mit AMD.

THG: Vor einem Jahr stand noch das Thema Wohnzimmer-PC mit Multimedia-Ambitionen bei Intel stark im Fokus. Damit ist ViiV gemeint, in das sehr viel Marketing-Geld investiert wurde. Wo bleiben die Produkte, ist Intel im Wohnzimmer bereits angekommen?

Intel: Da müssen wir ganz klar sagen, dass sich die Entwicklung in Deutschland stark von der in den anderen europäischen Ländern unterscheidet. Während die Leute in Frankreich mehr auf die Optik schauen, sind die Deutschen mehr an Technik und Funktionalität interessiert. Ganz klar, hier liegen wir hinter den Erwartungen. Allerdings werden wir verstärkt mit Herstellern aus der Unterhaltungsindustrie zusammen arbeiten.

THG: Nach den Vorlagen von AMD setzt Intel jetzt verstärkt auf Stromspartechnik. Bei einem letzten Gespräch hatten Sie einmal von einer neuen Einheit Performance pro Watt gesprochen. Gibt es da aus ihrer Sicht Verbesserungen?

Intel: Da gab es noch sehr viel Potenzial. Nach der Einführung von stromsparenden Prozessoren im Desktop-Umfeld sind jetzt die Server dran. Stellen Sie sich einmal vor, wie viel an Energie in großen Rechenzentren eingespart werden kann, wenn man plötzlich 40 Prozent weniger Strom braucht. Das bloß einmal als Hausnummer. Mit der Einführung von 45-Nanometer-Prozessoren wird der Stromverbrauch weiter sinken. Auch im Notebook-Bereich gibt es weiteres Potenzial, indem die Akkulaufzeit weiter erhöht wird.

THG: Kommen wir zum Thema Preiskampf. Durch die massive Senkung der Preise bleibt dem Mitbewerber AMD kaum noch Luft zum Atmen, die aktuellen Zahlen beweisen es. Langfristig macht es jedoch keinen Sinn, den ASP kontinuierlich zu senken, zumal in Anbetracht ihres Produktportfolios kein Handlungsbedarf besteht. Warum gab und gibt es diese dramatischen Preissenkungen?

Intel: Die Preissenkung der Prozessoren dient in erster Linie dazu, unsere hohen Produktionskapazitäten voll auszulasten. Sicher hat das auch gegenläufige Effekte und Auswirkungen auf den ASP (Average Selling Price).

THG: Welche Möglichkeiten lassen Sie dem Mitbewerber noch?

Intel: Wir versuchen unsere Arbeit so gut wie möglich zu machen. Unser Antrieb ist die Entwicklung von neuen Produkten, die am Markt in den einzelnen Bereichen gefragt sind. Neben der Senkung des Stromverbrauchs folgen wir dem intern getauften Tic-Toc-Modell, das heißt alle zwei Jahre eine neue Architektur.

THG: Wann wird es die ersten 4-Kern-Prozessoren im mittleren und unteren Preissegment geben?

Intel: Das hängt ganz davon ab, wie Sie mittleres und unteres Preissegment definieren. Derzeit gibt es 4-Kern-CPUs ausschließlich im Highend-Enthusiasten-Segment, Mitte dieses Jahres werden die Quad-Core-CPUs im mittleren Preissegment anzutreffen sein. Wann das untere Segment erreicht ist, hängt stark von den Entwicklungen des Marktes ab. Mit der Einführung der 45-nm-Prozessoren drückt es die 65-nm-Generation in günstigere Preisregionen.

THG: Wann steht die Umstellung auf die 45-Nanometer-Technologie auf dem Plan, wann werden die ersten Prozessoren auf dem Markt zu erwarten sein?

Intel: Die Umstellung auf die 45-nm-Technologie erfolgt noch 2007 in den Fabriken Oregon und Arizona. Anfang 2008 folgen neben Israel weitere Werke. Allerdings wird auch von 65 nm auf 45 nm umgerüstet.

THG: Wie weit sind die Pläne mit eigenen Grafikchips vorangeschritten? Durch den Kauf von ATI durch AMD im vergangenen Jahr hat sich ja einiges am Kräfteverhältnis im Markt geändert. Vor allem steht ATI als Partner mittelfristig nicht mehr zur Verfügung. Denkbar wäre eine Art Multi-GPU oder ein System auf einem Chip, wie das Konzept Timna schon vor Jahren einmal angedacht war.

Intel: Das sind doch alles nur Gerüchte, zu denen nehmen wir grundsätzlich nicht Stellung. Eines kann ich jedoch sagen, dass die Stromspartechnologie auch in zukünftigen Chipsätzen Einzug halten wird.

THG: Das Stichwort HDTV ist auf der Cebit 2007 in aller Munde. Dazu gehören vor allem die digitalen Schnittstellen wie HDMI und DVI und das Verschlüsselungsverfahren HDCP, was hauptsächlich von Intel initiiert wurde. Warum haben sie bei ihren zukünftigen Platinen samt neuen Chipsätzen zurückgerudert, indem HDCP wieder entfernt wurde? Der Mitbewerb bietet es dagegen an.

Intel: Dazu können wir derzeit nichts sagen. Näheres dazu kann ich Ihnen nach der Cebit sagen.

THG: Herr Schwaderer, ich danke Ihnen für das Gespräch.

Das Interview führte Frank Völkel


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