Stärken oder Schwächen der Tablet PCs zeigen sich im Alltagseinsatz sehr schnell. Ein Praxisbericht über die Erfahrungen von Profi-Anwendern und die gedämpften Erwartungen der Experten.
Vom Hype um den Microsoft Tablet PC lassen sich nicht alle Experten und Firmen anstecken. So schätzt Fereydun Khanide, Geschäftsführer von Penplan Consulting, das Konzept kritisch ein: "Erfunden hat Microsoft das Pen Computing nicht, und die Tablet PCs bieten technisch gesehen nichts eklatant Neues im Vergleich zu bisher verfügbaren Pen Computern."
Trotzdem bringt die neue Gerätegattung unschlagbare Vorteile wie hervorragende Handschrifterkennung und Robustheit der Geräte. Vorteile, die beispielsweise die Steinwerkstatt zu schätzen weiß. Das auf Restaurierung spezialisierte Unternehmen setzt schon seit einiger Zeit Pen PCs ein. Zu den Projekten der Werkstatt gehören die Restaurierung von Schloss Neuschwanstein, des Regensburger Doms und anderer historischer Bauwerke. Hier werden inzwischen Tablet PCs genutzt, um vor Ort Schäden am Mauerwerk zu kartieren, die Baumaßnahmen vorzubereiten und einen möglichst realistischen Kostenvoranschlag zu generieren. Zu diesem Zweck setzt die Steinwerkstatt Autocad 2000 auf den Tablet PCs ein.

Ahnengalerie: Die Firma Penplan zeigt in ihren Büroräumen die komplette Historie stiftgesteuerter Produkte. Darunter auch die PDA-Pioniere Apple Newton und einigen Palm Pilots.
Der Einsatz im Freien und auf Baustellen stellt hohe Anforderungen an die PC-Hardware. Deshalb entschied sich die Firma gegen Notebooks mit Touchscreen, die den rauen Einsatzbedingungen nicht gewachsen waren. Besser geeignet sind hierfür die Paceblade Tablet PCs. Diese können auf Grund der geringen Wärmeabgabe der Transmeta-Crusoe-CPU vollständig gekapselt gefertigt werden und sind deshalb unempfindlicher gegen Staub oder Spritzwasser. Auch wenn die Systemleistung der Geräte im Vergleichstest nur ausreichend ist, genügt sie den Mitarbeitern der Steinwerkstatt für ihre Aufgaben.
Beim Kosmetika-Hersteller Dr. Scheller Cosmetics sind bereits seit Ende 2000 Pen Computer im Einsatz. Dazu Udo Biber, Leiter Informationssysteme: "Die Geräte für unsere Vertriebsmitarbeiter müssen leicht zu tragen und auch zu bedienen sein. Notebooks kommen für uns nicht in Frage. In den engen Gängen der Drogeriemärkte ist ein Arbeiten mit einem Notebook mangels Auflagefläche nicht möglich." Zudem seien Notebooks zu anfällig für Verschleiß. Das sei hingegen beim Pen Computer oder Tablet PC im Slate-Format nicht der Fall. Biber achtet besonders auf die Robustheit der Geräte, da gerade das Display oft hoher Beanspruchung ausgesetzt ist. Für ihn ist das Total Cost of Ownership wichtig, bei dem die Anschaffungskosten nur einen eher geringen Teil ausmachen. Wartung, Reparatur und Arbeitsausfall schlagen wesentlich höher zu Buche. Laut Biber ist "das in der Anschaffung billigere Gerät letztlich oft das teurere."
