Wie Sie wissen, ergibt sich mit schnellerer Umdrehungsgeschwindigkeit auch eine größere Reibung, was wiederum zu erhöhter Wärmeentwicklung führt. Laufwerke mit 10.000 U/Min (bisher ausschließlich SCSI-Modelle) benötigen daher unbedingt eine aktive Ableitung der entstehenden Abwärme, zum Beispiel durch einen zusätzlichen Lüfter. Metallkühlkörper machen in der Regel wenig Sinn, da die Oberflächen der meisten Festplattenlaufwerke nicht so gleichmäßig flach sind, als dass ein großer Kühlkörper überall Kontakt zur Oberfläche haben könnte. Die Lösung hierfür wäre theoretisch eine standardisierte Festplattenoberfläche.
Die Kühlung schneller Laufwerke ist deswegen nötig, da die Überhitzung sonst die mechanischen und elektronischen Bauteilen schnell in Mitleidenschaft ziehen kann. Bei Erreichen der Curie-Temperatur können sogar die Scheiben (Platter) ihre Magnetisierung verlieren. Bei IDE-Laufwerken wird schon bei der Entwicklung darauf geachtet, dass man sie gefahrlos ohne Kühlung betreiben kann. Vor allem der Kostenfaktor spielt hier die entscheidende Rolle. Die Investition in ein Festplattenkühlsystem ist grundsätzlich nicht verkehrt, solange man mit dem leicht erhöhten Geräuschpegel des Systems klarkommt. Festplattenkühler bestehen meist aus einem 5,25"-Rahmen und einem Lüfter, der die Festplatte von oben oder unten kühlt - je nachdem, ob man das Kühlsystem oberhalb oder unterhalb der Festplatte einbaut.
Die Temperatur der Festplatte kann in Einzelfällen auch Einfluss auf deren Leistung haben. Die Platter können sich bei erhöhter Temperatur ausdehnen. Um diese geringfügige Lageveränderung der Daten zu kompensieren, muss die Elektronik dafür sorgen, dass die Schreib- und Leseköpfe der Festplatte entsprechend neu ausgerichtet werden (Kalibrierung). In der Entwicklung von IDE-Laufwerken ist dieser Faktor nebensächlich, doch bei den meisten SCSI-Modellen wird peinlich darauf geachtet, dass das Laufwerk so selten wie nur möglich neu kalibriert. Die Neuausrichtung der Köpfe hat einen kurzzeitigen Ausfall des Datentransfers zur Folge, was bei Video- oder Audioanwendungen die gesamte Arbeit zunichte machen kann. Wenn Sie verhindern möchten, dass Ihre (IDE-) Festplatte oft neu kalibrieren muss, dann müssen Sie nur für gute Kühlung des Laufwerkes sorgen.
Wir dürfen auch die Laufwerkselektronik nicht vergessen, wenn wir die Hitzeproblematik ansprechen. Jedes Laufwerk besitzt einen Controllerchip, einen Speicherchip für die Firmware und mindestens noch einen Speicherchip, der die Funktion des Caches übernimmt. Jede dieser Komponenten ist genauso hitzeanfällig wie andere Halbleiter. Wie Sie vielleicht von Prozessoren kennen, ist die Temperatur im Inneren des Chips für dessen Funktion von großer Bedeutung. Da man diese nur schwer messen kann, wird in der Regel von der Oberflächentemperatur ausgegangen, für die ein Grenzwert festgelegt wird. Die meisten Pentium-III-Przessoren sind für maximal 80 Grad Celsius Oberflächentemperatur ausgelegt. Höhere Temperaturen bringen zwangsläufig Fehler oder aber den Hitzetod des Chips mit sich. Selbiges gilt in geringeren Dimensionen auch für sämtliche Chips der Laufwerkselektronik.
Testkriterien - Wann ist ein Laufwerk zu heiß?
Ohne ein Infrarot-Thermometer ist es nicht leicht, die genaue Oberflächentemperatur eines Laufwerkes zu bestimmen. Es gibt jedoch einen einfachen Weg, mit dem Sie feststellen können, ob eine Festplatte etwa 50 Grad (oder mehr) erreicht hat. Lassen Sie dazu Ihren Rechner etwa zwei Stunden in Betrieb. Danach öffnen Sie das Gehäuse und berühren die Oberfläche der Festplatte (nach Möglichkeit nicht einen der Chips auf der Unterseite). Wenn Sie sich zutrauen, den Rechner während des Betriebs zu öffnen (bitte erschütterungsfrei!), erhalten Sie dadurch die besten Ergebnisse. Bei ausgeschaltetem Rechner kühlen sich einige Bauteile teilweise schnell unter ihre kritische Temperatur ab.
So wie die meisten Menschen für einen begrenzten Zeitraum Umgebungstemperaturen von bis zu 100 Grad Celsius ertragen (wie etwa in einer Sauna), so gibt es auch ein Maximum bei der Berührung heißer Gegenstände. Diese Schmerzgrenze ist etwa bei 50-55 Grad Celsius erreicht und kann von Mensch zu Mensch unterschiedlich sein. Mit Hilfe dieser Angabe können Sie nun leicht abschätzen, ob sich Ihre Festplatte auf über 50 Grad erhitzt oder nicht. Wenn Sie das Gefühl haben, sich beinahe zu verbrennen, dann ist dieser Grenzwert ungefähr erreicht. Kurzum, wenn Ihnen die Festplatte für eine dauerhafte Berührung zu heiß ist, lohnt sich ein Lüfter im Sinne einer langen Lebensdauer auf jeden Fall.
