Wenn die Aussage "der Prozessor XY lässt sich bis auf Z Ghz übertakten" allgemein gültig wäre, würde der Prozessorhersteller diesen Prozessor gleich mit Nennfrequenz von Z Mhz verkaufen.
Übertakten ist ein Spiel mit den Fertigungstoleranzen, welches man durch geschickte Wahl der Systemkomponenten (Mainboard, Netzteil, Prozessorkühler, Systemkühlung, Durchtesten mehrerer Prozessoren aus unterschiedlichen Fertigungslosen) positiv beeinflussen kann. Erzwingen lässt sich ein Übertaktungserfolg nur mit im Zusammenspiel vorgetesteten Komponenten (mindestens Mainboard, RAM, Prozessor).
Systeme, mit denen man einen Prozessor gut übertakten kann, stellen u.a. erhöhte Anforderungen an die Stabilität der Versorgungsspannungen für Prozessor, Chipsatz und RAM. Beim Preiskampf auf dem PC - Markt wird man in dieser Beziehung im Regelfall nicht bei den billigsten Boards sowie kleinformatigen Boards mit integrierter Grafik fündig.
Hardc0r3-Übertakten* hat i.d.r. nur einen Sinn: den eigenen Bastelwahn zu befriedigen; wirtschaftlich rechnet sich das nicht.
Für beste Übertaktungsergebnisse muss man bereit sein, mehrere Prozessoren durchzutesten und auch bei hochwertigen Boards mit dem Lötkolben einzugreifen (z.B. "Vdroop mod".
Die Kosten für eine aufwendige Kühlung sind nicht zu unterschätzen, OC und Silent beissen sich.
Übertakten muss man sich auch deshalb leisten können, da es dabei überdurchschnittlich häufig zu Ausfällen von Systemkomponenten kommt.
(Ausnahmen bestätigen die Regel. Unter diesen Ausnahmen wird man aber keine finden, bei denen der Prozessor oder seine Spannungsversorgung sonderlichen Hitzestress bekommen.)
Übertakten ist nicht ohne mehr oder weniger großen Zeitaufwand möglich, denn ein PC - System besteht aus vielen Komponenten, deren Stabilität man auch im Zusammenspiel sorgfältig überprüfen muss. Kochrezepte, um die Stabilität eines übertakteten Systemes hundertprozentig zu gewährleisten, gibt es aber leider nicht.
Das ist der Grund, weshalb man Übertakten nicht auf Produktivsystemen einsetzt, bei denen es auf Datenintegrität ankommt. Und auch der Grund dafür, weswegen typische Server-Prozessoren ab Werk für den Übertakter größere Reserven bieten als "normale" Prozessoren.
Übertakten als Hobby, um die Grenzen des Machbaren auszuloten oder ein System zu befeuern, bei dem auch ein Ausfall kein Beinbruch ist, ist natürlich jederzeit möglich. Nur wird diese Grenze nicht gerade weit draußen sein, wenn man beim Einkauf "preiswert" mit "billig" verwechselt.
onclick OC
Übrigens sind in Mainboards eingebaute dynamische Übertaktungsfunktionen ein Grund dafür, dass Systeme ab Kauf gelegentlich instabil arbeiten. Und das, obwohl sie meist recht dezent, d.h. mit Takterhöhung zwischen 2 und 15% arbeiten. Diese Übertaktungsfunktionen sind aber leider meist nicht auf Stabilität ausgelegt, sondern darauf, in Benchmarks die Nase leicht vorne zu haben.
Step by step
Das Dilemma der 805eritis in den THG - Foren war, dass im "Discountpreis" - Artikel nicht deutlich darauf hingewiesen wurde, dass zumindest die Billigkonfiguration erheblich weniger leistungsfähig ist als die Konfiguration, mit der THG den 805 auf 4Ghz gebracht hat.
Man kann das natürlich auch als einen Test der Internet-Kompetenz des Übertakter-Nachwuchses sehen. Wer nicht fähig ist, Texte einschließlich der verlinkten Grundlagen komplett zu erfassen und auch mal zusätzlich eine Suchmaschine anzuwerfen, um weitere Infos zu bekommen, hat verloren.
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