Heut' ist Sonntag. Mal kurz innehalten u. reflektieren. Habe mir mal den Launch Artikel vom Core i5/i7 genommen. Zunächst stelle ich fest, dass heute auch fünf Tage nach dem Launch kein Artikel auf TH.de zu finden ist.
Das ist eigentlich schon merkwürdig genug. Die TH Seiten sind so aufgebaut, dass er sich die lokale Einstellung speichert. Der deutsche Benutzer landet also immer auf TH.de u. findet bis heute keinen Launch Artikel.
Hier ein paar Kennzahlen des Launchartikels im Vergleich mit anderen Seiten:
Bis zu 50% weniger Content auf TH. Also, hat man offensichtlich nicht mehr den Anspruch fundiert u. ausführlich zu informieren.
Bleiben also Nischen zu besetzen. Suche ich mir mal drei Nischen heraus:
Zunächst mal stellt man hier fest: Sind nicht von den Stammauthoren (*) geschrieben. Das ist denke ich mal eine Chance, weitere freie Mitarbeiter einzubinden. Bei Computerbase habe ich den Eindruck, dass dort viele Studenten mitarbeiten. Will man also weiter Nischen besetzen, dann sollte TH diesen Wege weiter forcieren. Bei Cryostasis wurde der nachträglich erschienene PhysX Patch nicht mehr mitgetestet. Dieser Zug ist inzwischen natürlich auch abgefahren.
Zusammenfassend . Es ist schädlich internationale Artikel erst Monate später zu übersetzen, denn User wollen sich zum Launchtermin informieren. Monate später ist der Artikel weit weniger interessant. . Entweder fundiertere Artikel oder mehr Nischen besetzen.
Vorschläge für Artikel . Virtualisierungsparkour : Performance (aber NICHT SpecJBB2005 o.ä.), Anforderungen (RAM, #Cores, Virtualisierungsfunktionen) . AVCHD Videoschnitt : Performance unter verschiedenen Konfigurationen (2xHDD vs 1xHDD vs SSD / CPU / GPU Einfluss)
Beides Themen, die Anwender in jüngster Zeit verstärkt interessieren. Daher muss auch die Benchmarkauswahl Anwederbezogen sein. D.h. die typischen Use-Cases der Anwender abdecken.
(*) vielleicht hätte ich noch Undervolting u. Short-Stroking dazu nehmen sollen, dann sähe das Bild anders aus. Aber diese Artikel kamen ja Jahre (!) zu spät.
Nachricht bearbeitet von 7oby am 13.09.2009 um 11:14:55
Das generelle Problem ist sicher mittlerweile die Vielzahl ähnlich gelagerter Online-Angebote und die Anzahl aktuell interessanter Themen und News. Und Du hast es völlig richtig erkannt, man kann mitschwimmen oder versuchen, sich abzuheben. Allerdings gibts bei allen guten Vorsätzen und dem sicher vorhandenen Wollen einen Faktor, den du bitte auch mit bedenken musst: den finanziellen. Ich spreche jetzt mit Absicht nicht von der Redaktion und den fest angestellten Redakteuren, sondern versuche es mal aus meiner Sicht zu erklären:
Meine eigentliche Absicht, Aufgabe (wie auch immer) war das monatliche Erscheines eines Game-Reviews, bei dem wir absichtlich andere Wege gehen wollen, als die platten und austauschbaren Benchmarkorgien á la PCG(H). Was jetzt nicht abwertend gemeint ist, denn die Masse der User ist gar nicht bereit, mehr Informationen aufzunehmen. Das ist eine reine Zielgruppenfrage, mehr nicht. Hier auf TH stellt es sich natürlich anders dar. Ich wollte deshalb mit Absicht weg vom Mainstream. Das betrifft einerseits die Auswahl der Themen (z.B. Zeno Clash als nichtalltägliches Game) und andererseits das Verschieben hin auf den technischen Background (z.B. Cryostasis, Windows-Vergleich). Allerdings stehen zwei Probleme meinem inhaltlichen und qualitativen Anspruch entgegen. Das erste ist die Beschränkung auf maximal einen Artikel pro Monat. Ich hätte gern eine Fortsetzung mit dem Patch für Cryostasis nachgeschoben - das war aber auf Grund meiner mengenmäßigen Beschränkung nicht drin. Das zweite Problem ist ein rein finanzielles. Als Freelancer trage ich meine Unkosten selbst. Aktuelles Beispiel: ich hätte z.B. gern einen PhysX-Review von Batman geschrieben, aber überhebliche Publisher wie Eidos sind offensichtlich so mit Geld gestopft, dass sie es gar nicht mehr nötig haben, überhaupt auf Presseanfragen zu reagieren. Satte drei Mails ohne jegliche Antwort sind sicher auch eine Antwort und stehen stellvertretend für den Stellenwert, den viele Firmen technischen Reviews leider einräumen. Ich kaufe einen Großteil der Games (und auch der benötigten Teile und Gerätschaften) selbst, so dass ein Artikel ab und zu auch schon mal fast gegen Null geht (übertrieben ausgedrückt). Es gibt auch gegenteilige Beispiele, wo sich Firmen sehr selbstlos einbringen, auch wenn es später im Artikel keine Erwähnung findet. Aber es ist leider die Ausnahme. Ich darf Dir versichern, dass ich das alles eher aus Interesse an der Sache mache - dickes Geld verdienen kann man damit nicht wirklich. Ich habe hier insgesamt 4 private Rechner als nutzbare Testplattform stehen (alles bis auf ein Netzteil aus eigener Tasche finanziert), einen PC mit SLI muss ich jedesmal vom Kollegen erbitten und alle Grafikkarten kommen aus meinen Beständen bzw. ebenfalls als private Leihgabe. Das ist auch kein idealer Zustand für mich und schon gar nicht auf Dauer. Das übersteigt meine Möglichkeiten bereits jetzt. Ich mache all dies in meiner Freizeit, nennen wir es ruhig Hobby. Und da ich eine interessante Tätigkeit habe, liegen meine Schwerpunkte selbstverständlich im Erfüllen meiner beruflichen Pflichten. Das hat für mich absolute Priorität. Von dem, was an Freizeit übrigbleibt, opfere ich trotzdem gern einen gewissen Anteil - solange das Feedback positiv ist. Trotz allem wünschte ich mir noch etwas mehr Unterstützung seitens TH für aufwändigere Dinge.
Es ist momentan für TH sicher auch ein strukturelles Problem, wobei mir diesbezüglich weder ein Urteil zusteht noch eine objektive Einschätzung meinerseits in vollem Umfang möglich ist. Deshalb schreibe ich auch nur aus meiner persönlichen Sicht. Ich würde gern mehr in dieser Richtung machen, kann es aber nicht. Und es ärgert mich, dass viele aufwändig erstellte Artikel nicht gelesen werden (können), weil sie kein Mensch findet. Welcher normalgebildete Mitteleuropäer sucht schon Games unter Tests -> Consumer Electronics auf Seite ferner liefen? Pläne gäbe es viele, ich habe diesbezüglich auch bereits eine etwas umfangreichere Stellungnahme abgegeben. Allerdings sind dies Dinge, über die man öffentlich nicht schreibt, solange es kein Feedback gibt. Da solltest Du, wie auch ich, besser noch etwas Geduld mitbringen.
Dass Artikel nicht unter meinem eigenen Namen veröffentlicht werden, stört mich hingegen weniger. Das einzige Hemmnis, welches daraus resultiert, ist das Darstellungsproblem den Herstellern gegenüber, wenn man etwas möchte / um Hilfe bittet und noch nicht mal belegen kann, wer man eigentlich ist und was man exemplarisch bereits veröffentlicht hat. Das alles sind aber Dinge, die eine Redaktion sicher weniger interessieren. Für mich hingegen gehts da mehr oder weniger ums Überleben. Andererseits werde ich von zwei TH-Mitarbeitern sehr vorbildlich und im Rahmen deren Möglichkeiten unterstützt. Von der Redaktion selbst hingegen gibts kein Feedback und keine Unterstützung. Eigentlich ein Unding, aber auch das ist nicht meine Aufgabe, es auszudiskutieren. Schon gar nicht im öffentlichen Forum.
Ich kann nur hoffen, dass sich meine Anregungen auch mal in der einen oder anderen Form niederschlagen. Wenn nicht, kann ich auch nichts machen
PS:
Mal ein kleines Zahlenspiel, weil Du den Windows-Test erwähntest. Um die alten Intel-Treiber zu finden, die Installation anzupassen und eine 45nm CPU auf einem aktuellen Brett unter Windows 9x lauffähig zu bekommen waren 4 Stunden notwendig (was sicher in Anbetracht dessen, dass es sowas nicht zum Runterladen gibt, eine recht passable Zeit ist). Das Installieren und Testen der einzelnen Systeme hat pro OS knapp eine Stunde gedauert. Das Schreiben eines eigenen DX5-Benchmarks eine Stunde und die PC-Grundkonfigration des Testsystems ebenfalls. Macht alles in allem (man muss es ja auch noch schreiben) 14 reine Zeitstunden. Solche Artikel kann man nur schreiben, wenn man bekloppt genug ist
Bei mir gehen pro Artikel mindestens 8 Stunden drauf, oftmals mehr. So ganz sehe ich die Relation allerdings auch nicht mehr ein, wenn sich Initiative in den Windmühlenflügeln einer abstrusen Bürokratie verliert.
Nachricht bearbeitet von FormatC am 13.09.2009 um 20:23:47
@FormatC:
Es gibt noch eine Steigerung der Quälereien bei "normalen" Artikeln. Mein Artikel zum Thema Input Lag (siehe PRAD.de) war fast unverkäuflich. Grund: Zu viel, zu umfangreich und auch zu teuer.
Allein die Geräteversicherung, die ich abschließen mußte, hat mich privat knapp 500 Euro gekostet(!) ohne irgendeine Garantie zu erhalten, daß ich das Geld jemals wieder reinbekommen würde. Für den Test sind einige WOCHEN Draufgegangen. Ich mußte mir sogar "mal eben" DirectX-Programmierung beibringen und eine entsprechende Anwendung zaubern, da bisherige Stoppuhren einfach nur unbrauchbar waren.
Mir war klar, daß der Artikel nicht so bezahlt würde, wie es nötig gewesen wäre, um es wirklich lukrativ zu gestalten - dafür hat das alles viel zu lange gedauert. (Planung, Theorie, Programmierung, Beschaffung der Testgeräte im Wert von deutlich über 100000 Euro, Testaufbauten, Monitore, Computer, etc)
Aber mit was für Angeboten (leider auch von THG) ich abgespeist wurde, war schon traurig. Wirtschaftskriese hin oder her, für etwas einmaliges, eben die erste brauchbare Untersuchung zu diesem Thema und nicht nur "wir nehmen einfach mal irgendetwas an, was gar nicht stimmt" wäre es jawohl auch finanziell etwas mehr wert gewesen.
Lange Rede, fast kein Sinn. Die Resonanz war ehr: "Interesse haben wir, aber zahlen wollen wir nicht."
Muß man sich dann noch wundern, daß die Vielfalt zu Grunde geht?
Und wer von euch mal über die Leute schmunzeln möchte, die sich nach den bisherigen Verfahren Input Lag Werte organisiert haben (gemessen möchte ich es gar nicht nennen) und sich darauf hin wegen 12ms an den Kopf werfen: "PAH! DER Monitor ist für Spiele überhaupt nicht geeignet!", der kann ja mal den ARtikel durchklicken:
Besonders froh bin ich persönlich über den Vergleich der Signalausgänge einer Grafikkarte.
Bisher hieß es dazu sinngemäß: "Tests haben gezeigt, daß auch die Ergebnisse auch beim Vertauschen der Kabel und Wahl anderer Grafikkarten ähnlich sind, daher ist davon auszugehen, daß die Bilddaten synchron zugespielt werden..."
Sowas von daneben.
Aber wenn man die Leser nicht mehr aufklären will... Tja, was soll ich noch sagen? Tektronix war sogar interessierter an dem Artikel als THG. *schulternzuck*
Und hier ist es nichtmal in den "News" irgendwo aufgetaucht, um zumindest die THG-Leser darauf zu verweisen. Wenn schon nicht selbst bezahlt und veröffentlicht, dann doch zumindest informiert - dachte ich zumindest. Nö, ist wohl auch nicht erwünscht.
Was ich gerne wieder sehen würde, das wären Netzteilbelastungstests mit ANSTÄNDIGEN Abbildungen der Ausgangsspannungen (Also mit Oszi, aber bitte ausnahmsweise das Oszi auch richtig eingestellt!), und mit einem gründlichen Blick auf die Effizienz bei unterschiedlichen Belastungen.
Virtualisierungsbenchmarks fände ich auch interessant. Da mit einem Schwerpunkt auf die angebotenen Features des jeweiligen Produktes und vielleicht "alltägliche" Aufgaben. Es muß eben nicht immer der 0-8-15 Benchmark sein.
Und was ich relativ wenig sehen möchte ist: "Das haben wir woanders gesehen, das machen wir jetzt auch. Minimal anders."
*gähn*
Man kann viele Dinge mit Enthusiasmus und der schönen Einsicht kompensieren, jemandem u.U. damit geholfen zu haben. Da ist der tatsächliche Mehrwert nach Steuer fast schon unwichtig und es zählt das Ergebnis. Aber ins kaufmännische Minus geht gar nicht. Man kann ja auch mit relativ wenig Aufwand produzieren, aber nur einmal im Monat den Testaufbau hinstellen ist Unfug. Wären es z.B. zwei Spiele, könnte ich parallel arbeiten und der materielle und logistische Aufwand würde sich quasi halbieren. Das sind Kleinigkeiten, aber auf Dauer nicht ganz unwichtige Umstände. Ich bin auch gern bereit, aufwändige Sachen über die Masse zu kompensieren, so dass sich im Mittel noch ein Gegenwert ergibt. Aber nur Rosinen produzieren geht nun mal nicht.
Es sind in der Summe viele Dinge, die ich gar nicht weiter breitwalzen möchte. So was muss man intern klären und nüchtern betrachten.
------------------------------Wenn das einzige Werkzeug, das du hast, ein Hammer ist, dann neigst du dazu, jedes Problem für einen Nagel zu halten.
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Antworten FormatC
@Ghostrider: "Abgespeist" ist vielleicht die Empfindung, keinesfalls aber unsere Absicht. Wo kein Geld vorhanden ist kann ich keines ausgeben. Ich kenne die Aufwände für intensive Tests nur zu gut.
@7oby: Core i5/i7 - Auf der US-Website haben wir übrigens gleich drei Artikel zur neuen Plattform. Auch PCIe und Spiele-Performance wurden im Detail analysiert. In DE mussten wir diesmal leider Prioritäten setzen. Athlon II X4 kommt dagegen wieder pünktlich.
@FormatC: Danke auch für die sachliche Betrachtung.
Problem ist, dass die Umsätze über klassische Werbung bei weitem nicht mehr dem entsprechen, was die einmal waren. Große Verlage können weiter an der Preisschraube drehen - wir nicht. Die Redaktion ist im Vergleich zu 2008 um drei Leute kleiner - dennoch muss alles wesentliche weiter bearbeitet werden. Das geht eben nicht mehr immer.
Mehr User-Reviews sind definitiv eine gewünschte Möglichkeit.
Wenn ihr konkrete Artikelideen beitragen wollt (danke an 7oby) dann schreibt doch bitte Marcel oder mir. Wir machen soviel es geht gerne möglich, ich bitte aber nochmals darum, nicht gleich Schlüsse zu ziehen wie "ist ja nicht gewünscht" oder dergleichen.
@pzero: Nunja, das fehlende Interesse zeigte sich recht deutlich durch nicht eingehaltene Termine. Die Mails habe ich noch vorliegen, es nachträglich durchzukauen bringt nun aber auch nichts mehr.
Wäre ja trotzdem nett, wenn ein kleiner Verweis nochmal auftauchen würde, damit die THG-Leser zumindest die Chance erhalten sich über das Thema zu informieren - wenn auch nicht bei THG selbst, so zumindest bei den Kollegen.
Schauen wir mal, was die Zukunft bringt. Das Projekt war außergewöhnlich, davon habe ich nun erstmal genug. Das nächste mal gibt es vielleicht einen "kleinen" Artikel. Etwas handliches, was auch bei weitem günstiger wird. Vielleicht kommt man sich dann ja doch noch näher.
Bei User-Reviews muß eben nur darauf geachtet werden, daß die Qualität stimmt. FormatC hat seinen ganz eigenen Stil. Das lockert auf und ist eine Bereicherung. Man muß darauf achten, daß nicht plötzlich jeder meint Artikel verfassen zu können und plötzlich nur noch oberflächlicher Mist erscheint. "Masse statt klasse" ist nunmal auch keine Lösung, auch wenn es für die Redaktion dann "schön billig" wird.
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Edit: Wie wäre es z.B. mit etwas ganz fiesem als Thema:
SLI auf nicht-SLI-Zertifizierter Hardware? Lese mich da gerade ein, habe aber auch kein richtiges Interesse daraus selbst einen Artikel zu schreiben. Es gibt aber durchaus Leute im Internet, die Treiber erfolgreich modifizieren. Der Aufwand scheint überschaubar zu sein und die Ergebnisse durchaus positiv.
Nachricht bearbeitet von derGhostrider am 14.09.2009 um 17:26:49