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Liebe Gemeinde,

ich hab mir ein NAS-System von Linksys-Cisco gekauft, das als Hotswap-fähig angegeben wurde.
Tatsache ist jedoch, daß nach einem Festplattentausch das NAS neu gebootet werden muß, bevor die Festplatte (sprich: das RAID, in dem die Festplatte war) wieder erkannt wird). Lt. Linksys-Support erkennt das System nur dann eine andere Platte automatisch, wenn vorher eine Platte defekt war. Ist natürlich ein schöner Ansatz, wer wird zur Kontrolle schon eine Festplatte kaputt machen?
Lt. Internet, wie Wikipedia sollte die Definition für Hotswap auch das Erkennen des Gerätes im Betrieb gewährleisten.
Daher meine Frage hier: ist die Definition Hotswap von Linksys-Cisco falsch oder die Definitionen im Internet?

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Also an sich ist Hotswap nur das Wechseln einer Platte (wegen deffekt o.ä.). Der Sinn liegt darin, dass so ein defekt shcnell und unproblemaisch getauscht werden kann.

Und ist irgendwie auch verständlich, dass RAID muss die neue Platte ja initalisieren und alles.

MFG

BTW:
Swap bedeutet ja auch nur Tauschen ;)

Antworten michael21

Ja, aber aus der Erfahrung weiss ich, daß normale RAID-Controller das immer ohne Neustart hinbringen, allerdings habe ich das nur bei RAID 1 und RAID 5 selbst gesehen. Ich hab mir die Platten (4 Stück) aber einzeln auf JBOD - linear konfiguriert, da ich es so brauche. Theoretisch ist dazu gar kein RAID notwendig, aber das System lässt es nur über RAID zu.
Die Platte wird ja auch sofort erkannt, aber das RAID wird als 'failed' gekennzeichnet, und so sind natürlich die darauf basierenden Volumes und Shares auch nicht verfügbar.

Lustig finde ich nur, daß RAID-Controller in einem Windows-System die Platten online erkennen, im Linksys-Gerät auf Linux-Basis muß ich die Kiste neu hochfahren.

Antworten chriwei
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chriwei schrieb :

ich hab mir ein NAS-System von Linksys-Cisco gekauft, das als Hotswap-fähig angegeben wurde.

Welches denn genau?

 

Bei Linksys finde ich nur Geräte mit einer Festplatte (non RAID):
http://www.linksysbycisco.com/DE/d [...] orkStorage
Bei Cisco im kleineren Bereich soetwas:
http://www.cisco.com/en/US/products/ps9959/index.html

 
chriwei schrieb :

Lt. Internet, wie Wikipedia sollte die Definition für Hotswap auch das Erkennen des Gerätes im Betrieb gewährleisten.

HotSwap ist kein ganz scharf umrissener Begriff. So kann man dies zum einen auf Hardware beziehen: Beispielsweise sind SATAII Controller HotSwap fähig was bedeutet sie werden nicht zerstört, wenn während dem Betrieb Geräte an- und abgesteckt werden. USB ist ebenfalls HotSwap fähig bzw. dort HotPlug genannt. Ebenso bezieht es sich jedoch auch auf Software: Nur wenn man ein Kabel an und abstecken kann, muss das noch lange nicht heißen, dass die Geräte daran sofort erkannt werden. Ein Beispiel waren bisher Ein- und Ausgabegeräte unter Linux: Eine Tastatur, die man nachträglich an den USB Port steckte war unter Gnome/KDE bzw. dem X-Server nicht unmittelbar nutzbar (änderte sich erst mit evdev).

 

Aus dem Grund würde mich der Produktprospekt und die Definition von Linksys/Cisco interessieren. Anhand dessen kann man dann überlegen, ob das Produkt eine zugesicherte Eigenschaft nicht erfüllt.

 
chriwei schrieb :

Tatsache ist jedoch, daß nach einem Festplattentausch das NAS neu gebootet werden muß, bevor die Festplatte (sprich: das RAID, in dem die Festplatte war) wieder erkannt wird). Lt. Linksys-Support erkennt das System nur dann eine andere Platte automatisch, wenn vorher eine Platte defekt war.

Ich verseh' jetzt nicht genau, wann Du booten musst. Denn eine defekte Festplatte kannst Du ganz einfach simulieren, indem Du eine Festplatte während dem Betrieb rausziehst. Das wird auch so in den RAID Dokumentation als Test explizit erwähnt. Wenn Du dann laut Linksys-Support nicht booten musst u. einfach eine neue Festplatte einstecken kannst ist das doch genau das was Du willst. Könntest Du das nochmals erläutern?

 
michael21 schrieb :

Und ist irgendwie auch verständlich, dass RAID muss die neue Platte ja initalisieren und alles.

Was genau ist verständlich? Es ist schon richtig, dass die Consumer NAS Geräte einen Reboot erfordern beim Festplattenwechsel. Allerdings muss das nicht so sein. Da diese NAS Geräte zum überwiegenden Teil ein Linux laufen haben auf dessen Konsole man sich teilweise auch einloggen kann genügt dort auch ein "raidhotadd /dev/md2 /dev/sda2". Umgekehrt gibt's auch andere NAS Geräte, die dies direkt in der GUI bzw. im Display anzeigen u. an denen man einen Austausch während dem Betrieb durchführen kann.


Nachricht bearbeitet von 7oby am 26.03.2009 um 16:25:20
Antworten 7oby

Also, zuerst einmal das Gerät: NSS4100, das ist ein NSS4000 mit 4 eingebauten 250 GB SATA-Platten.

Die Auskunft vom Linksys-Support hat tatsächlich einen Unterschied gemacht zwischen dem Entfernen einer intakten Platte und dem Defektwerden einer Platte!

Ich hätte genau dasselbe gesagt wie 7oby, ob ichs rausziehe, oder ob's defekt wird ist egal!

Leider läßt sich mit den Supportknaben am Telefon so schwer streiten.

Vor allen Dingen kann ich aber nicht genau sagen, ob dieses JBOD-Raid technisch so unterschiedlich zu einem normalen RAID 0 bis 10 ist.

Übrigens, mein Ansatz ist ja: ich sichere auf zwei der vier Platten jeweils dasselbe, und ziehe eine davon immer ab und verstau sie außer Haus. Auf die Weise ist immer nur eine der zwei Platten im Gerät und die andere mit den Daten der Vorwoche im Sicheren.

Antworten chriwei
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chriwei schrieb :

Die Auskunft vom Linksys-Support hat tatsächlich einen Unterschied gemacht zwischen dem Entfernen einer intakten Platte und dem Defektwerden einer Platte!

Hmm, lassen wir diesen Nebenschauplatz mal kurz dahingestellt.

 

Habe mir das NAS angeschaut. Basiert auf einem Linux 2.6er Kernel mit XFS Filesystem. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wird unter der WebGUI ein ganz normales mdadm Linux RAID gefahren.

 

Im Linux RAID (und auch in Hardware RAID Controllern in Windows) gibt es einen Unterschied ob ich in einem degraded RAID eine Festplatte hinzufüge und so das RAID wieder herstelle. Oder ob ich ein RAID Array, das zuvor im Tresor lag dem System bekannt mache. Das ist die Geschichte mit dem Hardware und Software HotSwap. Im Fall, dass ich ein degraded RAID reparieren möchte, muss exemplarisch folgender Befehl abgesendet werden:
mdadm /dev/md0 --add /dev/sda1
um ein neues RAID zu erkennen, das durch neue Festplatten im System vorhanden ist, muss dieses Kommando abgesendet werden:
mdadm --examine /dev/sda1 (bzw. auch mdadm --assemble --scan)

 

Es ist wahrscheinlich, dass Cisco nur ersteres Kommando implementiert hat und ich nehme an, dass man dieses an der GUI auch bestätigen muss. In Windows wäre dies auch nicht anders: Ersteres muss manuell in der Management Console des (Hardware) RAIDs eingehangen werden. Der zweite Fall in Windows entspricht einem Rescan des RAIDs mit der Herstellersoftware.

 

Also wäre zu vermuten:
. RAID reparieren geht ohne Reboot
. neues RAID (oder JBOD) hinzufügen geht nur mit Reboot

 

Technisch wäre auch zweiteres ohne Reboot möglich. Wenn es einen Zugang auf die Maschine über eine Shell gibt sollte das auch möglich sein. Das sollte man sich aber von den Cisco Technikern noch genauer erklären lassen.

 
chriwei schrieb :

Vor allen Dingen kann ich aber nicht genau sagen, ob dieses JBOD-Raid technisch so unterschiedlich zu einem normalen RAID 0 bis 10 ist.

Ist eigentlich das gleiche:
http://linux-raid.osdl.org/index.p [...] inear_mode
Wenn Dir im JBOD Mode eine Festplatte ausfällt, fällt gleich das gesamte Array aus. Sogesehen hätte man eigentlich auch gleich ein RAID0 nehmen können.

 

Technisch könnte man das JBOD auch durch LVM implementieren:
http://linux-raid.osdl.org/index.p [...] VM_on_RAID
Allerdings wird das Cisco nicht gemacht haben: Wenn wenn die GUI im wesentlichen auf das RAID Backend abgestimmt ist, dann braucht's eigentlich nur einen Knopf und schon hat man auch JBOD. Würde man umgekehrt für JBOD das LVM Backend verwenden (was ein paar Vorteile hätte), so müsste man noch wesentlich mehr im Backend und an der GUI rumschrauben.

 
chriwei schrieb :

Übrigens, mein Ansatz ist ja: ich sichere auf zwei der vier Platten jeweils dasselbe, und ziehe eine davon immer ab und verstau sie außer Haus. Auf die Weise ist immer nur eine der zwei Platten im Gerät und die andere mit den Daten der Vorwoche im Sicheren.

Ich hab' mir jetzt keine Gedanken gemacht, ob es noch einen schönen Walkaround gibt. Was aber ginge: RAID10 einrichten und jeweils die "richtigen" Platten rausziehen. Das geht dann hotswap mäßig ohne Reboot. Allerdings repliziert der dann jedes Mal das RAID beim wöchtenlichen Plattenwechsel. Das wird mehrere Stunden möglicherweise auch einen halben Tag - dauern und währenddessen ist das NAS sehr langsam. Außerdem will ich nicht ausschließen, dass man da noch umständlich an der GUI rumfummeln muss und damit noch Fehler machen kann.

 

Es ist wohl einfacher das Backup wird auf einen anderen Rechner (oder NAS) gemacht und der landet dann im Tresor oder zu Hause.


Nachricht bearbeitet von 7oby am 27.03.2009 um 07:37:17
Antworten 7oby

Danke vielmals für die ausführliche Hilfe an 7oby.

Eine Frage hätte ich noch dazu: kann ich den im letzten Absatz angesprochenen Workaround per RAID10 möglicherweise auch mit einem RAID1 versuchen?
Und was passiert, wenn die Platte rausgezogen wird, bevor sie komplett synchronisiert ist?
Weil es wird eh per Backupbefehl in der Nacht der neue Stand auf das (jetzt degraded) RAID geschrieben.

Wenn das so funktionieren würde (eine Platte rein, die andere raus, Sychronisation egal), könnte ich ganz gut damit leben.
Will das aber nicht einfach ausprobieren, falls das auch Hardware-Defekte erzeugen könnte.

Antworten chriwei
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chriwei schrieb :

Wenn das so funktionieren würde (eine Platte rein, die andere raus, Sychronisation egal), könnte ich ganz gut damit leben.
Will das aber nicht einfach ausprobieren, falls das auch Hardware-Defekte erzeugen könnte.

Hardware Defekte gibt's keine, denn die SATAII Ports sind ebenso wie USB Ports HotSwap/HotPlug fähig insbesondere bei Deinem NAS. Das bedeutet eben: Es geht an der Hardware eigentlich nichts kaputt.

 

Allerdings kann ich Dir nicht wirklich weiter helfen, ob das was Du vorhast wirklich funktioniert. Folgendes:

 

Zunächst mal funktioniert prinzipiell obiger Absatz auch mit RAID1. Ein RAID ist jedoch eigentlich nicht dafür konstruiert Festplatten herauszuziehen und dieselben wieder reinzustecken. Das ist sozusagen nicht der typische Use-Case und NAS Geräte unterscheiden sich hier. Ein Beispielszenario: Aus einem RAID1 entfernst Du eine Festplatte. Anschließend werden die Daten auf dem nun degraded laufenden RAID1 weiter bearbeitet. Nach einer gewissen Zeit steckt man die alte RAID1 Festplatte wieder in den Verbund. In der Praxis gibt es drei Szenarien:

 

a) es passiert zunächst überhaupt nichts : eher selten und beantwortet auch nicht die Frage was nach einem Reboot passiert. Nämlich b) oder c)

 

b) das NAS erkennt: Diese RAID Festplatte ist Teil des RAID1 Verbundes aufgrund des Superblocks, der auf dieser gespeichert. Sie fügt diese Festplatte dem RAID wieder hinzu und lässt dies bestenfalls in der GUI bestätigen. Als nächstes führt das RAID Array einen Resync durch. Und dieser ist in diesem Fall in den meisten Fällen nicht deterministisch mit Datenverlust verbunden:

Zitat :

When repairing, there is no "good" block - if they are different, then all are wrong. md/raid just tries to return a consistent value, and leave it up to the filesystem to find and correct any errors.


http://linux-raid.osdl.org/index.php/Reconstruction
Nochmal deutlich auf deutsch: Es kann durchaus passieren, dass aktuelle Daten mit Daten der entfernten Festplatte überschrieben werden. Im besten Fall sind die aktuellen Daten weg. Im schlimmsten Fall ist alles weg oder korrupt.

 

c) Manche NAS Geräte wollen ausschließlich neue Festplatten nachdem ein RAID Member ausgefallen ist. Man kann natürlich auch eine "alte" oder die alte wieder reinstecken, aber um dann diese Variante c) auszulösen muss dann MBR + RAID Superblock überschrieben werden. Nur so erkennt das NAS die Platte als frisch. Jetzt führt es einen Rebuild durch. Das ist etwas anderes als das Resync in b). Alle Daten werden auf die neu einsteckte Festplatte kopiert.

 

Welche Variante das Cisco NAS macht, kann ich nicht sagen. Vielleicht gibt es ein Cisco Spezialforum oder man bemüht den Support von denen und versucht eine qualifizierte Antwort zu bekommen. Allerdings passiert es in ähnlichen Fällen öfters, dass sich der Support rausredet: "Das ist nicht der vorgesehene Einsatzweck - alles kann passieren. Bis zu Datenverlust."

 

Zu den Walkarounds:
. entweder Du bekommst von Cisco die Antwort die Du brauchst oder probierst aus was passiert, wenn Du obiges durchführst
. oder Du bekommst mehr Kontrolle über das Cisco NAS, kannst über die Konsole Befehle abschicken, die an der GUI nicht gehen - dann funktioniert's auch ohne Reboot. Die Skripte kann man sich auch hinter Knöpfen verstecken.
. oder die Sicherheitskopie wird außerhalb des NAS gespeichert und aufbewahrt. Damit ist die Verfügbarkeit des NAS natürlich reduziert (fährst ja jetzt JBOD - das kann jederzeit ausfallen), denn das zurückspielen das Backups dauert. Da Du aber ohnehin ein Backup von Deinen Daten benötigst, halte ich dies womöglich für die beste Lösung. Der nun reduzierten Verfügbarkeit des NAS wirkst Du dadurch engegen, dass Du das NAS im RAID1 oder RAID10 betreibst.


Nachricht bearbeitet von 7oby am 27.03.2009 um 10:35:08
Antworten 7oby

Diese Angaben helfen mir schon einmal.
Zusätzlich habe ich in der Hilfe des Systems jetzt noch einen Hinweis darauf gefunden, daß die Platten-, bzw. RAID-Erkennung auch mittels des an der Frontseite befindlichen Resetknopfes ausgelöst werden kann, und diese Vorgangsweise von Linksys/Cisco als 'sauber' bezeichnet wird. Zwar muß man den Knopf ein paar Sekunden gedrückt halten, ist aber immer noch kürzer, als man müßte in die WebGUI und dort einen Neustart anstoßen, denn auf diese Weise wird alles am Gerät direkt gemacht.

Nochmals vielen Dank für die rasche, kompetente Hilfe. Die Foren auf THG unterscheiden sich damit wohltuend von vielen Spezialhardware-Foren auf denen man zuerst gelöchert und danach ignoriert wird. ;)

Antworten chriwei
Tom's Hardware > Foren > Festplatten, RAID, Datensicherung, Backup, Datenrettung > RAID & Backup: einrichten und konfigurieren > Definition Hotswap
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