WLAN-Salamitaktik ...

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18:00 - 10/03/2003 von Arno Kral

Während das europäische Standardisierungsgremium ETSI mit HiperLAN/2 respektive Bluetooth umfassende Standards für drahtlose Kommunikation jedweder Art (im wesentlichen für Daten UND Sprache) in Angriff genommen hat, geht das amerikanische IEEE unter dem Druck von Markt und Industrie den Weg der kleinen Schritte:

Die ersten WLANs gemäß IEEE802.11 übertrugen im technisch weniger anspruchsvollen, dafür bandbreitenschonenden Frequenzsprungverfahren FHSS (Frequency Hopping Spread Spectrum) 1 oder 2 MBit/s. Durch ein anderes Modulationsverfahren, genannt Direct Sequence Spread Spectrum (DSSS), ließ sich die Bruttoübertragungsrate auf maximal 11 MBit/s steigern (und außerhalb des Standards sogar auf bis zu 22 MBit/s). Das WLAN mit DSSS-Verfahren standardisierte das IEEE als 802.11b , und weil zum Funken ebenfalls das lizenzfreien 2,4-GHz-Band dient, konnte der eigentliche Sender - das "Radio" - weiter verwendet werden konnte, war die Standarderweitung 802.11b früher fertig als die Variante 802.11a , die im lizenzfreienpflichtigen 5-GHz-Band arbeitet. Zur Geschwindigkeitssteigerung auf bis zu 54 MBit/s setzt 11a als weitere wesentliche Neuerung das Modulationsverfahren OFDM (Orthogonal Frequency Division Multiplexing) ein und stößt damit an die Grenze des ökonomisch vertretbar und technologisch Machbaren für eine Massentechnologie.

Diese bis zu 54 MBit/s schnelle Modulationsmethode kombiniert IEEE802.11g mit dem Vorzug der lizenzfreien Verfügbarkeit 2,4-GHz-Frequenzbandes und verspricht damit, die internationalen - besonders die europäischen - Restriktionen für die Nutzung des 5-GHz-Bandes zu unterlaufen. Obschon das IEEE erst im Frühjahr 2003 mit der Arbeit fertig sein wird, dürften erste Produkte, etwa von Belkin oder D-Link, bereits vor der endgültigen Verabschiedung des Standards im Markt sein und zu den Rennern auf der CeBit 2003 zählen.

Um eine möglichst problemlose Bereitstellung und Inbetriebnahme von WLAN-Produkten in den verschiedenen Regulationsgebieten sicher zu stellen, arbeitet das IEEE am Standard 802.11d , der den Access Points zu einem so genannten World Mode verhelfen soll. Damit lassen sich universelle Access Points realisieren, die alle der von Land zu Land unterschiedlichen Regularien für Frequenzen, Sendeleistungen und mehr beherrschen. Da die Access Points die Betriebsparameter der Mobile Clients vorgeben, kann so nahtloses Roaming zwischen den WLANs in verschiedenen geographischen Regionen mit der gleichen drahtlosen Client-Hardware garantiert werden.

Um WLANs auch mit der Übertragung von Sprache beaufschlagen zu können, reicht Bandbreite alleine aber nicht aus - eine schmerzvolle Erfahrung, die auch die Voice-over-IP-Initiative auf kabelgebundenen Ethernet-LANs erleben musste. Echtzeit-Qualitäten sind gefragt, und die hat ein IEEE802.11-WLAN ebenso wenig zu bieten, wie dessen kabelgebundenes Pendant, das Ethernet.

Um dieses Manko auszugleichen, soll nun in IEEE802.11e ein Mechanismus integriert werden, der Quality of Service (QoS) bietet, also Bandbreiten- Garantie und -management. Nur dann lassen sich in drahtlosen IEEE802.11-Netzen auch Sprache, Video und Audio vernünftig verteilen. Dieses Merkmal ist von Haus aus Grundbestandteil von HiperLAN/2.

Ein weiteres Scheibchen für mehr Qualität soll schließlich IEEE802.11h mit sich bringen, nämlich die dynamische Frequenzauswahl, damit WLAN-Funkpartner automatisch etwa vor Störern auf ein anderes Frequenzband ausweichen können, ohne dass dabei Datentransfer abbrächen. Ferner wird IEEE802.11h eine adaptive Methode zur automatischen (Ab-) Regelung der Sendeleistung in Abhängigkeit von Abstand und Übertragungsqualität zwischen den Kommunikationspartnern enthalten (eine Technologie, jedes GSM-Handy und jede GSM-Basisstation beherrscht). Das spart bei tragbaren Geräten nicht nur die so kostbare Batterieladung, sondern verringert gleichfalls das Störpotenzial. Beide Verfahren, die Transmit Power Control (TPC) und die Dynamich Frequency Selection (DFS) sind in HiperLAN/2 ebenfalls schon von Anbeginn an vorgesehen. Für IEEE802.1h liegt ebenfalls noch keine Freigabe seitens des ETSI vor. Dass das IEEE überhaupt auf eine Freigabe durch das ETSI setzt, legt den Schluss nahe, dass IEEE802.11h eine IEEE-Variation eines HiperLAN/2 werden könnte, wenngleich - Stand heute - noch ohne Unterstützung für IEEE1394 oder G3.

Tabelle der IEEE-WLAN-Standards

IEEE-Standard Besonderheit Frequenzband gültig
802.11 max. 2 MBit/s 2,4 GHz Seit 11/1997
802.1b max. 11 MBit/s 2,4 GHz Seit 09/1999
802.11a max. 54 MBit/s 5 GHz Seit 09/1999
802.11d World Mode, zusätzliche. Regulierungsgebiete 2,4 GHz Seit 06/2001
802.11e QoS 2,4 und 5 GHz ab 1Q2003
802.11g max. Datenrate 54 MBit/s 2,4 GHz ab 1Q2003
802.11h DFS und TPC Offen Offen
Scheibchenweise nähert das IEEE die Leistungsfähigkeit von IEEE802.11 den Vorgaben in HiperLAN/2 an.
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