Unser Vergleichstest zeigt die Leistungswerte von P4-Prozessoren, die erst Mitte des Jahres 2003 offiziell erhältlich sind. Das Spitzenmodell - der Pentium 4 mit 3,6 GHz - gibt voraussichtlich im Juni nächsten Jahres sein Debüt. Zu diesem Zeitpunkt konkurriert der P4 mit dem AMD Athlon 3xxx+ auf Claw-Hammer-Basis. Dazwischen liegen die Modelle des P4 mit 3,06 GHz und 3,33 GHz. Dabei steht jetzt schon fest, dass die 3,06-GHz-Version noch im November dieses Jahres erhältlich sein wird. AMD stellt dem Taktmonster in Kürze den Athlon XP 2800+ zur Seite. Weitere Angaben dazu sind in unserer Roadmap zu finden.
An dieser Stelle noch wichtige Anmerkungen zum zukünftigen Spitzenmodell P4/3600: Die Taktsteigerung gegenüber dem derzeitigen Top-Modell mit 2,8 GHz beträgt 29 Prozent. Uns beschäftigte vor allem die Frage, in wie weit sich die Takterhöhung in den Leistungswerten niederschlägt. Mit dem Ergebnis: Bei allen Benchmarks landet die CPU mit großem Abstand auf dem ersten Rang. Die Steigerung gegenüber dem P4/2800 liegt zwischen 7 und 29 Prozent - abhängig von der jeweiligen Applikation. Der größte Leistungszuwachs wird bei Rendering-Applikationen wie Cinema 4D XL, Lightwave 7.5 und 3D Studio Max 4.2 erzielt. Somit steigt die Performance linear mit der Takterhöhung - eine perfekte Skalierung. Etwas geringere Zuwächse sind bei MPEG-Encoding-Tests (MPEG-1, MPEG-2 und MPEG-4) zu verzeichnen. Den prozentual niedrigsten Anstieg gibt es bei 3D-Spielen (DirectX7 und DirectX8): Hier liegt der Zuwachs zwischen 7 Prozent (3D Mark 2001) und 15 Prozent (Comanche 4). Allerdings sind die Ergebnisse dieser Tests nicht allein von der CPU-Leistung abhängig. Auf jeden Fall setzt der P4 mit 3,6 GHz absolute Bestmarken wie beispielsweise bei Quake 3 mit 416 Frames pro Sekunde oder beim Sysmark-Test mit 328 Punkten.
Dennoch widerspiegeln die Benchmarkergebnisse nur die halbe Wahrheit. Einerseits profitiert der P4/3600 von der hohen Taktrate im Zusammenspiel mit dem schnellen RDRAM-Speicher (533 MHz, PC1066). Im gleichen Atemzug gilt es jedoch zu beachten, dass Anwendungen verstärkt an die Code-Erweiterungen SSE und SSE2 angepasst sind, die vor allem den Pentium 4 besser dastehen lassen. Der aktuelle AMD Athlon XP kann die SSE2-Optimierungen bei Applikationen nicht nutzen. Dieses Feature bietet erst der Athlon-Nachfolger "Claw Hammer".
Da wir ausschließlich die Leistungsskala der P4-CPUs der nächsten 10 Monate bewerten können, ist noch kein direkter Vergleich mit dem Athlon-Hammer möglich. THG vertritt die Ansicht, dass die Vorstellung eines potenten, wenn nicht sogar übermächtigen "Hammer", mehr als wünschenswert ist. Es bringt frischen Wind in den Markt und der ambitionierte Anwender profitiert obendrein von der 64 Bit Option. Intel braucht wieder mehr Druck! Doch zuerst einmal muss die bestehende Hürde in den kommenden Monaten genommen werden. Und dafür hat der P4 mit 3,6 GHz die Meßlatte schon recht hoch gelegt. Noch ist nicht aller Tage Abend und Intels P4 mit 2,8 GHz am Markt.
Noch eine abschließende Anmerkung zum Test: Die Firma Asus passte in sehr kurzer Zeit verschiedene Bios-Versionen an, damit die P4-Prozessoren optimal mit dem P4T533-C zusammenarbeiten. Besonderer Dank gilt unserem ehemaligen Kollegen, der jetzt wieder bei Asus arbeitet.
