Drama Heimvernetzung, Fortsetzung

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22:25 - 25/05/2006 von Arno Kral

Selbst Speichernetzwerke, früher eine Domäne für höchst proprietäre Bus- und Netzwerk-Protokolle, sprechen zunehmend TCP/IP. Ursache diesen Siegeszug ist aber auch der gigantische Markterfolg des Ethernet als physikalisches Vernetzungssystem, der mit stetig sinkenden Kosten für die Netzwerkkomponenten - Kabel, Anschlussdosen, Verteilstationen (Switches) und Vermittlungsrechner (Routern) - einher ging. Und, wie in der Branche üblich, wurde zu sinkenden Kosten immer mehr Leistung geliefert: Netzwerk-Adapter mit einer Link-Rate von 1 GBit/s zählen heute schon zur Standardausstattung von PCs und Notebooks, während in der Netzwerk-Infrastruktur mittlerweile 10 GBit/s gang und gäbe sind.

Daten- und Entertainment-Netzwerke sorgen für die größten Zuwachsraten in Heimvernetzungssystemen, während die Hausautomation noch immer ein Schattendasein führt.

Nur: Alle bisherigen Netzwerkansätze der IT-Industrie, diesen Erfolg auf das private Zuhause übertragen zu wollen, dürfen getrost als gescheitert betrachtet werden. Denn der Anteil derer, die in ihrer Wohnung eine strukturierte Verkabelung installieren, ist verschwindend gering. In den letzten drei, vier Jahren wurden viele drahtlose Netzwerkkomponenten (WLAN) in den Markt gedrückt. Sie konnten zwar teilweise das Problem der fehlenden Kabel-Infrastruktur lösen, befriedigten aber die wahren Wünsche nach einer funktionalen und kompromissfreien Vernetzung der für die Anwender wesentlichen Geräte - Computer und Unterhaltungselektronik - nicht: So lange es im IP-Telefon knallt, knarzt und scheppert und so lange das vom Heim- oder Internet-Server per Netzwerk-Player auf den Fernseher übertragene Video stockt, ruckelt und klötzelt, muss die Kundenzufriedenheit auf der Strecke bleiben. Und so dem Anwender teilweise erhebliche Kenntnisse über Netzwerktechnologie abverlangt werden, bleibt auch Plug&Play ein hohles Versprechen.

Einer von Netgear veranlassten Markterhebung in den USA aus dem Jahr 2005 zur Folge landet gut die Hälfte aller Netzwerk-Player wieder beim Händler. Grund: Die Qualität stimmt nicht. Schuld daran ist fast immer die miserable Netzwerk-Leistung. Und dabei geht es nicht nur um den reinen Durchsatz an Datenpaketen, sondern um deren zeitgenaue, unterbrechungs- und wiederholungsfreie Zustellung - die so genannte Dienstgüte, die im Englischen als Quality of Service (QoS) bezeichnet wird. Mit QoS aber kann das klassische Ethernet prinzipbedingt nicht aufwarten, und alle Versuche der Netzwerkindustrie, das zu ändern, mündeten wenn überhaupt, dann in herstellerspezifischen Insellösungen.

Erst ein Viertel der Haushalte in Europa hat bereits ein Heimnetzwerk - Tendenz (noch) stark ansteigend.

Der an sich löbliche Ansatz von Apple Computer, mit ihrem "Firewire" getauften Bussystem, das eine solche Dienstgüte durch die Bereitstellung isochroner Übertragungskanäle aufweist, das Heimvernetzungsproblem sprach- und videotauglich zu lösen, war im Jahr 1999 an überzogenen Lizenzforderungen der Jobs-Company gescheitert: Intel wollte so viel nicht zahlen und hatte mit der Entwicklung des USB 2.0 gekontert, eines Bussystems, das zwar in seiner Geschwindigkeit und in seiner Dienstgüte mit Firewire mithalten konnte - aber wegen seiner Bindung an einen Zentralrechner - den PC - und seiner Reichweitenbeschränkung von einem verteilten Netzwerksystem zu weit entfernt ist. Firewire, von der Elektronikindustrie als IEEE1394 standardisiert, ist in seinen neueren Varianten b und c dagegen nicht nur netzwerkfähig geworden, sondern kann inzwischen sogar die weit verbreiteten und daher preiswerten Cat-5-Kabel und Western-RJ45-Stecker aus der Ethernet-Technik nutzen.

Die meisten Industrie-Analysten aber stimmen darin überein, dass das Hauptunterscheidungsmerkmal für neue Unterhaltungselektronikgeräte in den kommenden Jahren ihre Vernetzbarkeit ist. Paul Jackson von Forrester Research postuliert: "Das Digitale Zuhause - eine einzige Netzwerkumgebung, mit der ein Haushalt Unterhaltungselektronik und andere Geräte mit anderen teilen und steuern kann - wird die Anwender von technologischen Zwängen befreien. Die Killer-Applikationen umfassen die Verteilung von Video, flexibles Speichern und problemfreie Sprachkommunikation. Eine drastische Steigerung der Funktionalität aber führt zu mehr Komplexität bei der Steuerung. Erst ein sprachgesteuerter Browser wird dieses Steuerungsproblem lösen und zu einer breiten Akzeptanz führen können."

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