Intel: Performance durch Rambus-Comeback?
1 - Hinterher klüger: DDR macht P4 zur Schnecke
Die Frage nach der richtigen Strategie ist für ein Unternehmen besonders wichtig. Vor allem dann, wenn es darum geht, die entscheidenden Schritte in Richtung zukunftsträchtiger Technologie festzulegen. Der weltgrößte Chiphersteller Intel ist so ein Kandidat, der in den letzten zwei Jahren nicht immer die richtigen Entscheidungen traf. Dabei waren die Ansätze gar nicht so schlecht, nur der Markt entwickelte sich nicht so, wie von den Marketing-Strategen erwartet und prognostiziert. Schon vor mehr als zwei Jahren versuchte Intel nahezu alle großen PC-Hersteller von der Rambus-Speichertechnik zu überzeugen. Mit dem Ergebnis: Nachdem Dell & Co anfangs erste Systeme feilboten, verschwanden sie nahezu gänzlich wieder vom Markt. Rambus fand bei PC-Systemen keine Verbreitung, aufgrund der hohen Kosten für die Plattform geriet die neue Technik zum Mega-Flopp. Aus heutiger Sicht wird klar, dass der Chiphersteller nur viel zu früh mit einer neuen Speichertechnik massiv in den Markt drängte - und letztendlich zähneknirschend DDR-SDRAM-Support einführte.
Dazu ein kurzer Ausflug in die Historie: Intel hatte ursprünglich geplant, mit der Ablösung des 440BX-Chipsatzes im Jahr 1999 die konventionelle SDRAM-Technologie im gehobenen Preissegment so langsam ad acta zu legen. Wäre es nach den Vorstellungen des Herstellers gegangen, wäre bei PC100 (maximal 100 MHz Speichertakt bei SDRAM) Schluss gewesen. Daraufhin etablierte sich PC133 - Intel war gelähmt und sah sich nach langer Verzögerung gezwungen, den 815-Chipsatz vorzustellen. Insider kennen die Story im Detail: Das Speicherinterface des Intel 815 ist bei 100 MHz FSB-Takt langsamer als beim Vorgänger 440BX. Die Ursache war ein reines Politikum: Schließlich sollte der Abstand zu den Rambus-Bausteinen 820 und 840 mit gehörigem Respekt gewahrt bleiben. Diese Tatsache haben wir vor 2 Jahren in zahlreichen Benchmarktests untermauert. Als DDR-SDRAM-Speicher sich vor knapp 6 Monaten am Markt durchsetzte, hielt sich Intel noch zurück. Der Hersteller verkaufte seine Pentium-4-Systeme basierend auf dem 845-Chipsatz im Zusammenspiel mit SDRAM-Speicher - die Performance fällt bei derartigen PCs indes recht mager aus. Und trotzdem gelang es Intel, hohe Stückzahlen des P4 in den Markt zu drücken und über Discounter a la Media Markt zu verkaufen. Erst seit Ende letzten Jahres gibt es den P4 auch mit DDR-SDRAM, da zu diesem Zeitpunkt die vertraglichen Vereinbarungen mit Rambus ausliefen. Intel befreite sich vom Knebelvertrag, der den Chipsatzsupport von DDR-SDRAM bis zur gesetzten Frist untersagte. An dieser Stelle muss jedoch auch gesagt werden, dass die Galionsfigur des Unternehmens - der Pentium 4 - stets nur im Zusammenspiel mit Rambus-Speicher seine maximale Leistung entwickelt. Bei identischer Hardwareausstattung beträgt im Durchschnitt der Abstand gegenüber DDR-SDRAM zwischen 10 bis 15 Prozent. Viele Anwender fragen sich in Anbetracht der aktuell hohen Rechenleistungen sicher, ob diese Minderleistung bei DDR-SDRAM nicht locker zu verkraften sei.
Doch die ganze Problematik erkennt man dann, wenn man unseren letzten Test "Bolidenjagd: Athlon XP 2300+ vs. Pentium 4/3000 " genauer analysiert: Am Beispiel des Pentium 4/3000 ist gut zu erkennen, dass in Kombination mit DDR-Speicher die Leistungssteigerung gegenüber dem aktuellen Spitzenmodell Pentium 4/2200 recht marginal ausfällt. Auf jeden Fall wäre bei den einzelnen Tests deutlich mehr Speed zu erwarten gewesen, zumal der FSB- und Speicher-Takt mit 138 MHz arbeitete. Ein weiterer Versuch mit RDRAM zeigte hingegen, wie ein Pentium 4/2600 zu Hochform auflaufen kann. Diese CPU übertraf in einigen Benchmarkkategorien den Pentium 4/3000 basierend auf dem 845-Chipsatz mit DDR-SDRAM-Speicher.
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