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Interview mit AMD: Echte 4-Kern-CPUs

18:40 - Freitag, 16. März 2007 von Frank Völkel
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AMD steht unter Zugzwang. 4-Kern-CPUs sind für die zweite Jahreshälfte geplant. THG sprach auf der Cebit mit Geschäftsführer Jochen Polster.
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4-Kern-Prozessoren für Server und Desktop

Frank Völkel von THG im Interview mit Jochen Polster, Geschäftsführer von AMD.

In den nächsten Monaten deutet sich ein verstärkter Kampf zwischen den beiden Chipherstellern AMD und Intel an. Vor allem im Segment der leistungsfähigen und prestigeträchtigen 4-Kern-Prozessoren spielt derzeit die Musik. Während Intel bereits CPUs mit 4 Kernen anbietet, arbeitet AMD mit Hochdruck an seinen Quad-Cores, die für die zweite Hälfte des Jahres auf dem Plan stehen. Während Intel bisher zwei Doppelkerne in einem Prozessor als Quad-Core anbietet, wird AMD als erster Chiphersteller mit echten 4-Kern-Versionen (vier einzelne CPUs auf einem Die) im Server- und Desktopbereich glänzen. Es wird erwartet, dass der kommende AMD K10-Opteron (ehemals K8L) mit dem Codenamen "Barcelona" in punkto Performance deutlich schneller ist als das Intel-Xeon-Pendant. Im Rahmen einer Pressekonferenz auf der Cebit zeigte AMD einen 300-Millimeter-Wafer mit 4-Kern-Chips.

THG traf sich auf der Cebit in Hannover mit dem Geschäftsführer von AMD, Jochen Polster, und sprach über neue 4-Kern-Produkte, AMD Live, und den erbitterten Preiskampf mit Intel.

THG: Im vergangenen Jahr hat AMD den Grafikchip-Entwickler ATI für eine stattliche Summe gekauft. Ist denn die Übernahme schon verdaut? Die letzten Unternehmenszahlen lagen ja hinter den Erwartungen.

AMD: Wir sind gerade in der Phase, die einzelnen Teams zu integrieren. Die Fusion von AMD und ATI schreitet gut voran. Sicher gibt es Unterschiede zwischen den beiden Unternehmen, das erkennen sie schon an der Ausrichtung. ATI agiert eher im Endkundenbereich, während wir uns stark auf den Business-Markt konzentriert haben. Da steht noch Bedarf an Optimierung.

THG: Wann sind denn die ersten Quad-Core-Prozessoren mit Barcelona-Kern im Markt zu erwarten?

AMD: Wir werden Quad-Core im zweiten Halbjahr vorstellen. Und bitte nageln Sie mich nicht fest, es wird bestimmt nicht erst der 31. Dezember 2007 sein.

THG: Ein wichtiges Thema ist das längst angekündigte Hypertransport 3.0, damit der Konzeptvorteil von AMD zum Tragen kommt. Wann ist damit zu rechnen?

AMD: Hypertransport 3.0 wird zuerst im Opteron mit Barcelona-Kern integriert sein. Inwieweit die Einführung im Desktop-Markt geplant ist, darüber haben wir noch nicht konkret gesprochen.

THG: Sie haben im vergangenen Jahr dem Konkurrenten Intel sowohl im Notebook- als auch im Desktop-Segment ordentlich Marktanteile abgenommen. Welche Aktionen und Maßnahmen haben zu diesem Resultat geführt?

AMD: Wir haben große OEM-Kunden gewonnen. Dazu zählen Hewlett Packard, Lenovo und Fujitsu-Siemens - Dell kommt Ende 2007 noch hinzu. Den größten Zuwachs haben wir im Notebook-Markt zu verzeichnen, da beträgt unser Marktanteil bereits 20 Prozent. Auch im Desktop-Bereich dürfen wir uns nicht beklagen. Unsere Stärke ist nach wie vor der Servermarkt.

THG: Vor einem Jahr hat der Konkurrent Intel viel Geld in sein ViiV-Konzept gesteckt. Daraufhin hat AMD mit Live! Reagiert, verfolgt jedoch einen anderen Ansatz. Wie ist der aktuelle Stand bei AMD Live! - liegen Sie da voll im Plan?

AMD: Also eines steht erst einmal fest, wir haben mehr Live-Geräte verkauft als Intel mit seinem ViiV-Konzept im gleichen Zeitraum. Gegenüber der Herstellerbindung bei Intels ViiV bieten wir mit AMD Live! Einen offenen Standard an. Und wie schon in einem vergangenen Gespräch gesagt, sehen wir nicht die Platzierung eines PC-Systems im Wohnzimmer kommen.

THG: Die Umstellung auf die 65-nm-Fertigungstechnologie ist bereits Ende vergangenen Jahres in Dresden erfolgt. Allerdings werden vorerst nur Prozessoren mit niedrigem Takt angeboten, so dass der Mitbewerber Intel bei den Highend-CPUs bessere Angebote hat. Sind schnellere Prozessoren in 65 nm geplant?

AMD: Wir haben ein gutes Portfolio mit 65-nm-CPUs, die vor allem sehr stromsparend sind. Würden wir jetzt den Takt stark anheben, hätten wir wieder das Hitzeproblem und hohe Verlustleistungen. Und das wollen wir gerade nicht. Warten Sie einmal die Prozessoren mit Barcelona-Kern ab, die werden dann ausreichend Leistung bieten.

THG: Wie entwickelt sich der Notebook-Bereich? Bei den Elektronikdiscountern sind ja verstärkt Notebooks mit Intel-Prozessoren zu finden. Auch nimmt der typische Notebook-Kunde die Firma Intel stärker wahr als AMD. Wie erklären Sie sich das?

AMD: Im Notebook-Bereich verzeichnen wir gerade das größte Wachstum. Die geringere Wahrnehmung liegt in der größeren Werbeaktivität unseres Konkurrenten begründet.

THG: Mit ATI haben Sie sich viel Erfahrung und Know how im Bereich Grafik eingekauft. Wann sind denn erste kombinierte Chips - Prozessor und Grafik - zu erwarten?

AMD: Das wird frühestens 2009 der Fall sein. Diese Chips werden dann aus Dresden kommen. Wie Sie wissen, arbeitet ATI noch mit seinen bestehenden Fertigungspartnern zusammen. Das wird sich dann ab 2009 ändern.

THG: Wie beurteilen Sie die finanzielle Lage bei AMD?

AMD: Überhaupt nicht, denn dazu können wir derzeit nichts sagen.

THG: Herr Polster, ich danke Ihnen für das Gespräch.

Das Interview führte Frank Völkel


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