Interview, Fortsetzung

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18:00 - 19/03/2005 von Frank Völkel

THG im Gespräch mit AMD: Wir wollen mit unseren lokalen Partnern bis zum Jahr 2015 die Hälfte der Weltbevölkerung am Internet teilhaben lassen.

THG: Intel hat seine Geschäftsausrichtung neu strukturiert. Dort gibt es den neuen Bereich "Digital Health Care". Gibt es ähnliche Ansätze bei AMD?

Polster: Wir richten unser Geschäft traditionell eher nach Marktsegmenten aus. Auf Projektbasis bedienen wir allerdings auch den vertikalen Markt. Auf dem WEF 2004 in Davos haben wir erstmals unsere Initiative "50x15" vorgestellt. Wir wollen mit unseren lokalen Partnern bis zum Jahr 2015 die Hälfte der Weltbevölkerung am Internet teilhaben lassen. Das ist ein ehrgeiziges Ziel, aber es ist sinnvoll: Das Internet bietet Ländern, die einerseits über ein starkes Wachstum verfügen, andererseits großen Nachholbedarf in Bezug auf moderne Kommunikationsmedien haben, eine große Chance. Mit unserem "50x15"-Programm wollen wir ein Netzwerk von Partnern vor Ort schaffen, um Menschen in Schwellenländern den Zugang zum Internet zu akzeptablen Preisen zu ermöglichen. Wir sehen darin vor allem die Chance, Menschen bislang verschlossene Bildungschancen zu eröffnen, neue Kommunikationshorizonte zu erschließen und die wirtschaftliche Entwicklung zu befördern. In Indien und der Karibik haben wir mit unseren Partnern damit begonnen, weitere Länder und Regionen werden folgen.

Mit der AMD Turion 64 Mobiltechnologie ermöglichen wir den OEMs mehr Flexibilität. Wir zwingen sie nicht alle in den gleichen Rahmen, wie es beim Mitbewerb geschieht...

THG: Wie sehen Sie den Standort Deutschland aus der Sicht von AMD? Wie attraktiv sind Investitionen bei knapp 40 Prozent Unternehmenssteuer?

Polster: Die Höhe der Steuern entscheidet nicht allein über einen Standort. Was nicht heißen soll, dass sie zu vernachlässigen sei. Dennoch haben wir uns ganz bewusst dafür entschieden, in Deutschland bzw. in Dresden zu investieren. Bei Investitionen im Fabrikationsbereich sind motivierte und sehr gut ausgebildete Mitarbeiter sehr wichtig. Die Aufgabe des Unternehmens ist wiederum, die Mitarbeiter langfristig zu halten. Und ich denke, das ist auch der Unterschied zu dem, was in manchen anderen Ländern geschieht. Wenn ich eine kontinuierliche Entwicklung der Produkte und vor allem des Fertigungsprozesses erreichen will, benötige ich Menschen, die eigene Lösungen in ihr Arbeitsumfeld einbringen. Das funktioniert in Deutschland nach wie vor gut und liegt im vielfach kritisierten Ausbildungssystem begründet. AMD hat die Ausbildung in Dresden gemeinsam mit Infineon optimiert. Die sind für uns genug gute Gründe, auch weiterhin in Deutschland zu investieren.

THG: Wo sind bei AMD die größten Innovationen 2005 zu erwarten?

Polster: 2005 wird in erster Linie von der Dual-Core-Technologie bestimmt sein. Wir werden Mitte des Jahres Dual-Core-Prozessoren für Server und Workstation und in der zweiten Jahreshälfte für den Desktopbereich bringen. Mit dem Anheben der Taktfrequenz allein sind die Performance-Steigerungen nicht zu erwarten. Zudem ist das in der Mikroprozessortechnologie sehr kostenintensiv und der Stromverbrauch würde stark ansteigen. Die Lösung lautet: Mehrere Prozessoren auf einem Kern unterzubringen. Aufgrund der Architektur des AMD Opteron Prozessors und des AMD Athlon 64 Prozessors ist Dual Core bestens geeignet, große Leistungssteigerungen zu erreichen, bei einem akzeptablen Stromverbrauch. Und wie gesagt, im Notebooksegment werden wir mit der AMD Turion64 Mobiltechnologie präsenter denn je sein.

THG: AMD hat im Endkundensegment Marktanteile gewonnen. Wie wird sich laut Ihrer Einschätzung der Desktop-Markt entwickeln?

Polster: Man muss zwischen den drei Segmenten Unternehmen, Small-Medium-Business-Geschäft und dem Endkundenbereich unterscheiden: Im Unternehmensbereich findet momentan ein Austausch der vorhanden Hardware statt. Dort sehe ich aber keinen großen Trend weg vom Desktop. Denn die meisten Anwender, die am PC arbeiten, sitzen am Schreibtisch. Die Zusatzkosten für ein teureres Notebook sind hier nicht zu rechtfertigen. Lediglich der Formfaktor ändert sich. Große Tower werden durch kompaktere Geräten ersetzt. Etwas anders verhält es sich im Small-Medium-Business-Markt, hier ist ein deutlicher Trend zum mobilen Rechner festzustellen, vor allem bei vielen kleineren Firmen. Und im Consumer-Bereich liegt der Anteil in einigen Märkten schon bei über 50 Prozent. Die Sättigung wird unserer Ansicht nach bei rund 80 Prozent liegen.

THG: Mobile PCs wie Notebooks unterliegen einem starken Preisverfall in den letzten Jahren. Greift der informierte Kunde nicht immer häufiger zu einer mobilen Lösung - sterben Desktops also aus?

Polster: Ja, wir werden eine gewisse Verschiebung im Markt sehen. Für Anwendungen wie Banking, Office-Aufgaben und Internet ist das Notebook ideal. Dagegen sind Multimedia-Daten für Musik, Filme und deren Bearbeitung oder die Entwicklung zum Media-Center-PC nur mit einem PC-ähnlichen Gerät zu bewältigen. In all diesen Bereichen wird der Desktop seine Berechtigung behalten. Ob er genauso aussieht wie im Moment, darf bezweifelt werden. Wir sehen ja den Trend weg vom grauen Gehäuse hin zu attraktiveren Designs. Das ist vor allem dann interessant, wenn der PC im Wohnzimmer steht. Es spielt aber auch die Leistungsaufnahme eine wichtige Rolle. Leise PCs und Technologien wie AMDs Cool'n'Quiet werden immer mehr an Bedeutung gewinnen.

THG: Die Firma Apple hat gerade im letzten Jahr stark zugelegt, nicht zuletzt auch durch den kultigen MP3-Player iPod. Nun gibt es seit Anfang des Jahres den Mac mini, einen ultrakompakten PC mit markantem Design. Wäre nicht für AMD eine ähnliche Strategie denkbar, um die Marke noch stärker neben Intel zu positionieren - nach dem Motto: Design ist ein sehr starkes Verkaufsargument?

Polster: Wir werden sehen, ob diese Strategie aufgeht. Auf der einen Seite scheint das Marketing erfolgreich zu sein, aber auf der anderen Seite sprechen wir über einen Marktanteil von gerade einmal 3 Prozent. Ich gehe auch gerne in Apple-Shops und das Produktdesign gefällt mir sehr gut. Nun sind wir als Prozessorhersteller aber etwas in der Zwickmühle: Ein attraktives Design kommt bei jedem von uns erst einmal gut an. Aber, wenn ich mit unseren OEM-Partnern darüber spreche, bekomme ich die eindeutige Antwort, dass es wenig Bereitschaft gibt, dafür auch mehr zu bezahlen. Der iPod hat als Lifestyle-Produkt einen anderen Stellenwert als der gewöhnliche PC. Wir werden später sehen, wo der Mac mini einzuordnen sein wird. Übrigens, auch AMD hat seinerzeit zusammen mit Fujitsu-Siemens Computer den Jetson entwickelt. Aber auch der Jetson war ein Nischenprodukt.

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