
Bei einem Overdrive-Panel sind einige zusätzliche Dinge zu beachten.
Overdrive, wie funktioniert das?
Wenn man sich die Latenzzeit eines standardmäßigen LCD TN-Panels ansieht, stellt man fest, dass die Anstiegszeit (die Zeit, die für den Übergang von Schwarz nach Weiß benötigt wird) deutlich länger ist als die Überblendzeit (die Zeit für den Übergang von Weiß nach Schwarz). Das zeigen unsere folgenden Messwerte.

Anstiegs- und Abfallzeiten (Tr, Tf)eines TN-Panels beim Übergang von Schwarz-Weiß-Schwarz
Es überrascht also nicht, dass die Hersteller verzweifelt versuchen, die Anstiegszeit zu verringern.
Die Anstiegszeit ist immer dann besser, wenn der Übergang sehr scharf ist, wie zum Beispiel von 0 auf 255 (absolutes Schwarz zu strahlendem Weiß). Das bestätigt auch die Kurve in unserer Abbildung.
Die Idee ist also einfach: Um zum Beispiel von Schwarz (0) zu Grau (128) zu gelangen, durchläuft der Pixel zuerst das Zwischenstadium Weiß (255).
Anders gesagt, anstatt 0 -> 128 wird das Pixel gezwungen, 0 -> 255 -> 128 anzuzeigen.
Das wird im folgenden Screenshot der Oszilloskopanzeige gezeigt, der vom VP191b stammt. Hier sieht man bei einem Übergang von Schwarz (0) nach Hellgrau (175) eine kurze Abwanderung in den Bereich von strahlendem Weiß (Wert 255).

Das entspricht der Zeit für einen Übergang von Schwarz (0) zu sehr hellem Grau (200).

Der Overdrive bedeutet also ein vorsätzliches und kontrolliertes Übersteuern der einzelnen Pixel, was sich tatsächlich als sehr effektiv erweist, um die Latenzzeit zu verringern.
Allerdings kann der Übergang von Schwarz (0) nach Weiß (255) dadurch nicht beschleunigt werden, weil der Übergangszustand ja bereits der beabsichtigte Endzustand ist.

Diese Technik kommt heute vielfach bei Büro-Monitoren und LCD-Fernsehern zum Einsatz.
Eingedenk dessen wird klar, dass die Messung der Anstiegszeit von 10 auf 90 % auf einem solchen Gerät nicht unbedingt sinnvoll ist, weil der Pixel für einen Zeitraum von wenigen Millisekunden (bei den besseren Geräten) bis zu mehreren vollen Bildern (bei den weniger skrupelhaften Herstellern) deutlich übersteuert. Die Latenzzeit wird zwar merklich besser, aber dies geht zu Lasten der Präzision. Es entsteht Bildrauschen und - last but not least - die Performance aus Benutzersicht verschlechtert sich insgesamt.
