Perfektionismus kann kontraproduktiv sein

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18:00 - 24/11/2005 von Benoît Dupont

Das Aufkommen von Overdrive war ein Fest für die Hersteller: 6 ms hier, 4 ms dort, bald sogar 3 ms! Das ist kaum zu schlagen, oder? Aber die Hersteller waren leider so in Eile, dass sie vergessen haben, dass ein Gewinn auf der einen Seite manchmal einen Verlust auf der anderen bedeutet. Um so fabelhafte Latenzwerte zu erreichen, übersteuern manche Hersteller ihre Pixel so sehr, dass diese manchmal mehrere Bilder lang zu hell erleuchtet bleiben, bis sie sich endlich beim gewünschten Wert stabilisieren. Für den Benutzer macht sich das sehr störend bemerkbar. Alle Monitore mit übertriebenem Overdrive in unserem Test wiesen bei der DVD-Wiedergabe ein deutlich erkennbares Bildrauschen auf. Bei Videos ändern die Pixel häufig und ständig die Farbe, aber die Pixel werden im Vergleich zur Auffrischrate deutlich stärker und länger übersteuert. Daher besteht in allen farbigen Bereichen die große Gefahr von Bildrauschen.

Analyse: Bei statischen Bildern gibt es keine Probleme, die Pixel ändern ihren Wert kaum. Das ist der Vorteil von LCD. Bei beweglichen Bildern ändern die Pixel ihren Wert, aber die Farbabweichungen sind in der Regel nur sehr gering. Leider verursacht der Overdrive eine kurzfristig große Abweichung im Wert des Pixels, und weil nicht alle Pixel gleich schnell reagieren, führt dies am Ende zu sichtbarem Bildrauschen.

Hier sehen Sie als Beispiel das Ergebnis für den ViewSonic VX924. In diesem Beispiel verlangen wir vom Panel einen Übergang von Schwarz (0) zu Hellgrau (175), und zwar für 4 aufeinander folgende Bilder. Die Bildfolge sieht also im Grunde folgendermaßen aus: 0,0,0,0, 175,175,175,175, 0,0,0,0, 175,175,175,175, etc.

Hier die mit der Messsonde gemessene Pixelhelligkeit:


Das erste Bild liegt keineswegs bei 175, sondern bei 210, das zweite mit 194 zwar etwas näher an 175, aber immer noch weit vom Ziel entfernt, das dritte erreicht schon 178, und endlich beim letzten Bild werden mit 3 Bildern Verspätung die zu Beginn geforderten 175 erreicht.

Um dieses Phänomen zu berücksichtigen, werden wir die Zeit messen, die nötig ist, um eine Präzision von 10 % zu erreichen. Anders gesagt, statt der Latenzzeit zwischen 10 und 90 % messen wir die Latenzzeit zwischen 10 % und irgendetwas zwischen 90 und 110 %. Wenn der Pixel in diesen Bereich kommt, betrachten wir ihn als stabil. Es wäre zu einfach und schlecht für den Kunden, wenn sich die Hersteller beim Overdrive unkontrolliert und unbegrenzt austoben dürften.


Eine schlechte Implementierung des Overdrive hat also eine direkte Auswirkung auf die Latenzzeit, die wir nun messen können. Dies ist eine durchaus gültige Messung, wenn auch eine gute Farbpräzision gefordert ist.

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