Diskrepanz: Vermarktung und Ausbeute, künstliche Kastrierung

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19:00 - 03/06/2003 von Frank Völkel

Intel hat von vorn herein Sicherheitsmaßnahmen getroffen, damit die Platinen-Hersteller nicht auf einfache Art und Weise den schnellen Speicherzugriff (PAT) beim billigeren 865-Chipsatz aktivieren können. Immerhin beträgt der Preisunterschied allein beim Chipsatz 16 Dollar, was beim Board bis zu 55 Dollar für den Endkunden ausmacht.

Aufgrund der direkten Beziehungen zu THG und intensiver Recherche hat sich Asus zu einem schweren Schritt entschlossen: Um Fehlinterpretationen in der Öffentlichkeit zu vermeiden, erhält THG exklusiv brisante Informationen über die Funktionsweise der Reaktivierung von PAT beim 865/Springdale-Chipsatz.

Kommen wir nun zu den Details: Beim 875P-Chipsatz (Canterwood) wird PAT nur dann aktiviert, wenn eine CPU mit FSB800 von der Northbridge des Chipsatzes erkannt wird. Dabei handelt es sich um das Signal BSEL [1:0]. Die folgenden Zustände sind in der unteren Tabelle gezeigt:

BSEL1 BSEL0 CPU Freq
0 0 FSB400
0 1 FSB533
1 0 FSB800
1 1 Reserved

Beim 875P-Chipsatz lässt sich PAT nur dann einschalten, wenn die Signale BSEL1=1 und BSEL0=0 ("FSB800") sind. Allerdings ist diese Funktion beim 865-Chipsatz (Springdale) deaktiviert. Asus hat dafür eine Art "Hintertür" gefunden. Zwar ist der Zustand [1:0] beim 865-Chipsatz (Springdale) blockiert, jedoch hat Asus herausgefunden, dass bei den Zuständen [0:0] und [0:1] d.h. FSB400 respektive FSB533, der schnellen Speicherzugriff PAT offen gehalten wird.


Da die BSEL-Signale normalerweise auch zur Ansteuerung des Taktgenerators benutzt werden, hat sich Asus einen Trick überlegt: Die BSEL-Signale werden mit Hilfe der Super I/O-Einheit, die auf allen Boards der P4P800-Serie integriert sind, abgefangen und manipuliert. Somit wird der Clockgenerator nach wie vor mit der korrekten FSB-Taktfrequenz der CPU programmiert, während dem Chipsatz suggeriert wird, es handelt sich um eine CPU mit FSB533-Takt.


Diese Maßnahmen beschreibt das obere Schema. Ferner muss sichergestellt sein, dass der Speichertakt synchron mit dem FSB-Takt arbeitet (1:1-Übersetzung für den Taktteiler). In diesem Fall muss noch der System Memory Frequency Select (SMFREQ) entsprechend angepasst werden. Hinzu kommen noch einige Modifikationen der Bios-Register, die wir jetzt nicht näher erläutern wollen. Fakt ist: Das Bios in der Version 1007.001 enthält bereits die Änderungen, so dass PAT in jedem Fall aktiviert ist. Für Verwirrung sorgte das ältere Bios Beta 1006.010, welches nur beim Presse-Muster den PAT-Speicherzugriff aktivierte. Die Endkundenversion kann erst ab dem Bios 1007 von PAT profitieren, wobei die Software seit dem 2. Juni 2003 verfügbar ist.

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