MPEG-4: Herannahendes Desaster für die Filmindustrie!
2 - MPEG-4 - Das ideale Videoformat
Prinzipiell ist MPEG-4 das ideale Videoformat sowohl für die Verbreitung im Internet als auch für die Speicherung auf CD-ROM. Auch eine Festplatte bietet sich als billiges Speichermedium an: Eine Platte mit einer Kapazität von 40 GB gibt es für weniger als 350 Mark. Es ist nur eine Frage der Zeit, wann im Internet erste Tauschbörsen für MPEG-4-Videos verfügbar sind. NAPSTER.COM hat es schon bei MP3-Audio-Dateien gezeigt: Über unzählige Links ist nahezu jeder gewünschte Musiktitel erhältlich. Analog dazu wird in Kürze jeder Kinofilm verfügbar sein.
Dabei stellt die Bandbreite des Internetzugangs immer weniger ein Problem dar. In den USA gibt es in vielen Regionen bereits einen Zugang per Kabelmodem, der eine Datenrate von mehr als 1 Mbit/s erlaubt. Bei dieser Geschwindigkeit lässt sich im Idealzustand ein kompletter Kinofilm in zirka einer Stunde aus dem Internet herunterladen. Und das alles zum Nulltarif, wenn man von den Zugangskosten einmal absieht.
Die Filmindustrie steht bei diesem Treiben recht machtlos da. Durch eine Art weltweites Clustering sind bald minütlich neue Videos und Filme verfügbar, deren eigentlicher Ursprung nicht mehr auszumachen ist. Bei einer stattfindenden Uraufführung, unabhängig vom Ort auf dieser Welt, sitzen mit großer Wahrscheinlichkeit Freaks mit einer digitalen Kamera, die den Film von der Leinwand im Kinosaal aufnehmen. Anschließend landet das Material auf einer Festplatte und ist wenige Stunden später im Internet erhältlich. Dort steht es weltweit und kostenlos als digitale Kopie bereit.
Ob die Filmindustrie durch den Einfluss von MPEG-4 weniger ihre überteuerten DVDs absetzen kann, bleibt abzuwarten. Jedenfalls sind Filmpremieren aus den USA im Internet viel früher verfügbar als in den deutschen Kinos. MP3 hat schließlich auch seine Wirkung gezeigt: Durch die hohe Verfügbarkeit an Musiktiteln im Internet verzeichneten die großen Musikkonzerne deutliche Umsatzeinbußen gegenüber den Vorjahren, als MP3 noch in den Kinderschuhen steckte. Viele Anwender laden sich kostenlos kommerzielle Musiktitel aus dem Internet auf ihren heimischen PC, um eine Musik-CD nach eigenem Geschmack zusammenzustellen.
Kritisch betrachtet hat MPEG-4 jedoch auch seine Schattenseiten: Sowohl die Videoqualität als auch die Auflösung lassen sich zwar skalieren, doch erreicht MPEG-4 nicht das Niveau von MPEG-2. Für viele ist der Kinobesuch auch ein kultureller Anlass verbunden mit sozialen Kontakten, den ein steriler Videoabend am heimischen PC oder Notebook bei weitem nicht ersetzen kann.
Doch wie heißt es so schön unter Computer-Freaks: Der Weg ist das Ziel! Cosmopolitisch orientierte Zeitgenossen gehen also trotzdem noch zur Filmpremiere ins Kino, auch wenn der Film schon seit Wochen als gebrannte CD-ROM im Regal liegt.
Frank.Voelkel@tomshardware.com
Frank Völkel ist Technischer Direktor bei Tom’s Hardware Guide und ist vom Erfolg von MPEG-4 fest überzeugt. Er leitet das europäische Labor und arbeitet an der
Entwicklung von Testverfahren mit.
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