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Innovation dort, wo man sie nicht erwartet

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19:00 - 25/10/2003 von Stéphane Kauffmann

Das Scrollrad schien eine schon lange erledigte Sache zu sein, doch auf der Suche nach Innovationen haben die Microsoft-Ingenieure hier noch eine Entwicklungsmöglichkeit gesehen. Vertikales Scrollen ist gut, aber allseitiges Scrollen wäre besser, haben sie sich gesagt. Die neue Serie von Microsoft-Mäusen verfügt nun also über ein Scrollrad, das sich vertikal und horizontal bewegen lässt. Dafür kann man es zu beiden Seiten kippen. Allerdings mussten für diesen Erfolg einige Konzessionen gemacht werden. So hat das Scrollrad seine Rasterung verloren. In der Praxis hat man zwei Achsen für das Scrollrad statt einer. Die vertikale Bewegung ist wie gewohnt und entspricht der Drehung. Die horizontale Bewegung wird mittels Kontakten rechts und links gesteuert. Sie ist also digital und hat nur zwei Stellungen wie ein Knopf.

Diese Konzeption zielt auf Büroanwendungen, vor allem Excel, und das Surfen im Web ab. Wenn man anfangs auch enorme Schwierigkeiten hat, sich an das neue Feeling zu gewöhnen, wird nach einiger Zeit die Bewegung doch natürlich. Das Fehlen der Rasten gerät in Vergessenheit und die Beschleunigung der Bewegung ist sehr zu schätzen. Die horizontale Bewegung wird man vor allem in Excel einsetzen, denn bei den heutigen Auflösungen kommt es immer seltener vor, dass Webseiten über den Bildschirmrand hinausragen. Als wir die Mäuse erhielten, haben wir sofort an eine nahe liegende Verwendung bei Spielen gedacht. Leider ist die Wirklichkeit nicht so rosig. Das Scrollrad wäre bei zwei Typen von Spielen nützlich gewesen, bei Ego-Shootern und bei Echtzeit-Strategiespielen. Bei Ersteren hätte man sich vorstellen können, den Waffen zwei zusätzliche Funktionen wie Nachladen oder Zoomen zuzuordnen, denn die Drehbewegung wird meistens für die Wahl der Waffen verwendet. Bei Strategiespielen wäre es gut gewesen, die allseitige Bewegung der Karte mit der Maus auszuführen. Doch gibt es zwei große Probleme. Zunächst weigern sich die meisten Spiele schlicht und einfach, diese zusätzliche Achse zu erkennen, wodurch die Sache schon klar ist. Zumal es bei dem mitgelieferten Treiber nicht möglich ist, dieser Achse in Windows enthaltene Knöpfe zuzuordnen.

Bei den Ego-Shootern gibt es außer Battlefield 42 kaum ein Spiel, das die Achse erkannt hätte. Doch funktionierte sie in dem Spiel eher zufällig. Ich habe kein gängiges Strategiespiel gefunden, das eine gute Einstellung erlaubt hätte (C&C Generals und Age of Mythology beispielsweise lassen keine Einstellung zu...). Außerdem ist das Scrollrad ohne Rasten in Spielen schwer zu kontrollieren, zumal man im Eifer des Gefechts unabsichtlich den Klick benutzt. Zum Glück kann man die Geschwindigkeit der Bewegung einstellen und die Option zur Beschleunigung abschalten. Mäuse mit diesem Scrollrad sind somit nicht für Ego-Shooter zu empfehlen, es sei denn das Rad wird gewohnheitsmäßig verwendet. Bei anderen Spieltypen ist es zwar kein Problem, aber es bringt auch keine Verbesserung.

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