INTELs Seriennummer in den Augen eines paranoiden Surfers???

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18:00 - 21/01/1999 von Thomas Pabst

Zunächst einmal möchte ich vorweg schicken, daß der nachfolgende Text keine technischen Informationen in Frames und Takten beinhaltet, sondern sich mit verschiedenen Denkmodellen beschäftigt, die auf der neuen Technologie mit der Seriennummer von INTEL basiert. Ob die Überschrift dann wahr ist oder nicht sollte jeder Anwender für sich entscheiden, wenn er den Text gelesen hat.

Wie stimmig und effizient die Seriennummern im Prozessor sind, die den Anwender im Internet identifizieren sollen, haben wir in den andern Kapiteln recht genau beschrieben. Das Ergebnis lautet: solche Seriennummern bieten keine ausreichende Garantie, um bedenkenlos Waren und Informationen durch die Gegend zu schicken. Da dies aber die offizielle und alleinige Berechtigung für die Implementierung darstellt, kommen wir an dieser Stelle nicht weiter. Wir verlieren uns in einer endlosen technologischen Diskussion mit Angriff und Gegenmaßnahme.

Zäumt man das Pferd von einer anderen Seite auf, wie dies im Schlußsatz des letzten Kapitels bereits anklang, lösen sich die Widersprüche plötzlich auf.

Der unbedarfte Anwender hinterläßt bei jeder seiner Bewegungen im Internet einen Fingerabdruck, der es einem Unternehmen leicht macht alle seine privaten und vor allem geldwerten Neigungen zu katalogisieren. Im Kampf gegen Kinderpornographie und anderer Probleme dieser Art im Internet ist dies sicherlich begrüßenswert. Wenn es um den Schutz der Privatsphäre geht, die sich nicht im kriminellen Umfeld abspielt, ist es jedoch eher sehr lästig. Nun werden wir Bundesbürger bereits in vielen verschiedenen Datenbanken gespeichert. In der Regel ist es der Staat, der diese Daten erhebt. Außerdem bleiben diese Daten meist geographisch eingegrenzt. Was aber passiert, wenn diese Daten bei einem Wirtschaftsunternehmen landen? Namentlich bei INTEL? Außerhalb der schützenden Regularien unseres Rechtssystems?

Weshalb kann es sich zu einem Problem auswachsen, wenn sich diese Technologie durchsetzt? An erster Stelle sei auf das erste Kapitel verwiesen, in dem INTEL darauf hinweist, daß man immer die Führungsrolle in jeder Organisation zu spielen gedenkt, die diese Seriennummer, wie auch immer, verwenden will. Zu gut deutsch INTEL sagt durch die Blume: Wir wollen die Kontrolle über jede Form von Erfassung der Daten, die mit unserer Seriennummer zu tun haben. Da sich der Computer, das Internet, und die Kommunikation darüber, nicht an Landesgrenzen halten, entscheidet die Rechtsform des Staates, in dem die Daten verwaltet werden, über die Beschränkungen in der weiteren Nutzung. Eine Flut von Werbung, zugeschnitten auf unsere vermeintlichen Vorlieben ist dann der geringste Ärger. Wie heißt es so schön: Wissen ist Macht.

Im Vorfeld der Markteinführung des Pentium III hat INTEL neben der Geschichte mit der Seriennummer, auch noch eine riesige Werbekampagne angekündigt, um den Begriff Pentium III in den Köpfen der Anwender zu etablieren. In den News haben wir berichtet, daß INTEL im vergangenen Jahr über 6 Milliarden US$ Gewinn gemacht hat. Die Gewinne in den vergangenen Jahren waren übrigens auch nicht von schlechten Eltern. Geld genug ist also verfügbar.

Spielen wir dieses Szenario also einmal durch: INTEL schafft es einen großen Teil der unbedarften Anwender davon zu überzeugen, daß die Seriennummer die ultimative Lösung für alle Sicherheitsfragen im Internet ist. Viele Menschen, die bislang noch Bedenken hatten werden sich dann sicherlich mit einem Internetzugang ausrüsten, um die große weite Computerwelt ohne Angst vor Hackern zu erforschen. Auch die Unternehmen, werden INTEL beim Wort nehmen und nach diesem Sicherheitsfeature verlangen. Softwarehäuser sehen den Markt und nutzen die APIs von INTEL. Ein sich selbst erhaltender Kreislauf entsteht.

Damit wird klar, daß andere Hersteller von Prozessoren entweder die tolle Erfindung von INTEL lizensieren müssen, um nicht als unsicher zu gelten und um überhaupt noch eine Chance am Markt zu haben. Technische Details interessieren dann keinen mehr. Der Umstand, daß ein K7 auf dem Systembus mit der doppelten Taktrate eines INTEL Prozessors arbeiten wird, geht im Getöse um die Sicherheit unter. Wenn es aber zu einer solchen Lizensierung kommt, bestimmt INTEL den Preis für alle CPUs, nicht nur für die eigenen. Wenn ein K45 doppelt soviel kostet wie ein entsprechender INTEL Prozessor, braucht man ein solches Prachtstück gar nicht mehr zu entwickeln. Der Untergang ist vorgezeichnet. Wie sich die Dominanz, eines einzelnen Unternehmens, in einem vitalen Bereich der Computerei negativ auswirken kann, hat uns Microsoft vorgelebt. Betaversionen, die als Produkte verkauft werden, Sicherheitslücken in einem Netzwerk Betriebssystem (NT), undurchschaubare Anwendungen und sogar Aussagen vor einem Bundesgericht der USA, die zumindest weitere Fragen provozieren. (Zitat: "... Der Internet Explorer ist integraler Bestandteil des Betriebssystems und kann nicht entfernt werden...." Dabei gab es, zum Zeitpunkt dieser Aussage, mindestens ein funktionierendes Programm, das genau das schaffte.)

Die Vormachtstellung beschränkt sich aber nicht nur auf Prozessoren, sondern erreicht auch die Softwarehersteller. Über die APIs, die die Seriennummer nutzen sollen, hat INTEL auch diese in der Hand. Voraussetzung dafür ist es wie gesagt immer, daß es gelingt das Sicherheitsthema zum entscheidenden Kriterium für den Kauf einer CPU zu machen.

Nun bin ich ein verrückter Mensch und male doch manchmal ganz gerne den Teufel an die Wand. Mir wird flau bei dem Gedanken an die Macht, die sich mit den Daten ausüben läßt, die INTEL sammeln kann, wenn sich diese Technik so unkontrolliert durchsetzt, wie das bislang klingt. Wie abhängig wir alle so ganz nebenbei von der imaginären Macht des Computers schon heute sind, zeigt die Diskussion um die Problematik zum Wechsel ins Jahr 2000. Wenn diese Abhängigkeit sich dann auch noch auf ein einzelnes Unternehmen überträgt, werden die warnenden Köpfe und kritischen Geister mit Durchblick noch weniger.

Mit diesen Augen gelesen, wirkt der zitierte Text von INTEL doch etwas anders als aus rein technischer Sicht oder bin ich doch nur in der Paranoia um das Buch "1984" gefangen?

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