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Leo Kirchs Premiere-Monopol wackelt

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19:00 - 02/08/2001 von Uwe Scheffel

Zuschauer, die sich für Premiere interessieren, kennen den Schlammassel: Der Abo-Vertrag beinhaltet, dass man gleich eine so genannte D-Box mitkaufen oder mieten muss. Nur zwei Hersteller hat die Kirchgruppe auserkoren: Nokia und Sagem. Die Funktionalität wird zudem durch das aufgespielte Betriebssystem der D-Box bestimmt. Dieses stammt ausschließlich von der Kirch-Tochter BetaResearch. Im Vergleich zu anderen Digitalreceivern ist diese Software recht unausgegoren. Der Anwender wird gründlich vergrault: langes Booten, umständliches Setup, viele Menüpunkte sind optisch eingeblendet, aber nicht aktiviert - so stellt sich BetaResearch "Benutzerfreundlichkeit" vor.

Dass man aus technischer Sicht nicht an die D-Box gebunden ist, beweist der Test. Die Premiere-Abo-Karte funktioniert auch mit allen von uns getesteten Receivern, sofern man zusätzlich ein Conditional Access Modul für Betacrypt-Irdeto kauft. Und: Die Bedienung sowie der Funktionsumfang ist bei allen Mitbewerbern besser als bei der D-Box. Auch in der Gilde der Premiere-Hacker ist eines klar: Wer noch die alte D-Box 1 besitzt, kann diese mit der Software DVB2000 leicht freischalten. Eigentümer der D-Box 2 ärgern sich über die komplexer gewordenen Schutzmechanismen; eine D-Box 2 zu knacken ist dennoch möglich. Jedoch ist es leichter mit Geräten, die über ein Common Interface verfügen.

Die Geschäftspraktiken von Premiere bzw. der Kirch-Gruppe sind aus wettbewerbspolitischer Sicht äußerst fraglich. Der Kunde ist an die D-Box größtenteils gebunden. Nur die Zusatzinvestition in Digitalreceiver mit eingebauter Festplatte kombiniert Pay-TV, Free-TV und Videorekorderfunktionalität. Immerhin gibt es Licht am Ende des Tunnels: Die Deutsche Telekom hat vor kurzem den Verkauf ihrer Kabelnetze an ausländische Investoren abgeschlossen. Die neuen Eigentümer haben nun das Sagen. Besonders am lukrativen Pay-TV-Markt ist man interessiert. Deshalb ist es nahe liegend, das in Kürze eigene Pay-TV-Dienste angeboten werden und Premiere aus den Kabelnetzen verdrängt wird. Dann nützt dem Zuschauer eine D-Box kaum noch. Besitzer eines Digitalreceivers mit Common Interface können sich hingegen freuen. Ihre Geräte sind immerhin für alternative Verschlüsselungsverfahren bestens gerüstet.

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